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Erste deutsche Ski-Expedition durch die Antarktis
"Wer sich nicht wehrt, leidet nicht" - die erste deutsche Ski-Expedition durch die Antarktis auf noch unbekannten Wegen zum Südpol startete am 1. November.
Aloha – unter diesen Namen haben der Reutlinger Armin Wirth und sein Freund Dieter Staudinger ihre Expedition an den Südpol gestellt. Also nicht Südsee sondern Südpol, Eis, Temperaturen bis minus 50 Grad und extreme körperliche Anstrengung erwarten sie. „Nicht unbedingt“, findet dagegen Armin Wirth. „Alles eine Frage der Einstellung.“ Er hat die Erfahrung gemacht, dass körperliche Strapazen erst dann als Leiden empfunden werden, wenn sich der Verstand dagegen wehrt. „Wer die Gegenwart einfach nur wahrnimmt, ohne sie zu bewerten, leidet nicht“, behauptet er.
In den nächsten drei Monaten werden Wirth und Staudinger (32), ein in Kanada lebender Österreicher aus Graz also ihren Weg zum Südpol fortsetzen. In der Nacht zum 1. November sind sie aus dem frühlingshaft warmen Kapstadt mit einer Iljuschin zuerst zur Russischen Station Novo geflogen. Dort saßen sie dann anders als geplant wegen eisiger Stürme zunächst erst mal fest. Am 6. November ging es dann weiter zum Ekström Schelfeis bei der deutschen Station „Neumayer“. Von dort startete das Team dann in Richtung Südpol und dann weiter zu ihrem Ziel Patriot Hills im Westen der Antarktis. Das sind 3400 Kilometer auf Skiern mit einem 120 Kilo schweren Schlitten pro Person im Schlepp, wobei Höhen bis zu 3200 m überwunden werden müssen. Das bedeutet, 88 Tage lang unter extremen Bedingungen isoliert zu zweit unterwegs zu sein. Und auf keinen Fall zu spät kommen zu dürfen, denn am 27. Januar 2009 startet von Patriot Hills der letzte Flieger. Wer den verpasst, wartet lange – der antarktische Winter dauert sechs Monate.
„Wir haben knapp auf der Hälfte der Strecke zum Südpol ein Depot mit Brennstoff und Nahrungsmitteln anlegen lassen und werden wann immer möglich, mit Kites den Wind zur schnelleren Fortbewegung nutzen“, sagt Staudinger. „Sonst wäre die Strecke in 88 Tagen auch gar nicht zu schaffen.“
Aber warum tun sich die beiden das dann überhaupt an? Es geht ihnen um das Erlebnis dieser einzigartigen Landschaft und um den Kitzel, einen noch völlig unbekannten Weg zu gehen (keiner weiß, was nach dem 74. südlichen Breitengrad kommt, auch Satellitenbilder können dieses Weiß in Weiß nicht auflösen). Wirth und Staudinger hoffen auch darauf, Kaiserpinguine in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen und einzigartige Naturschauspiele wie den „Diamantstaub“, eine bodennahe Wolke aus kleinen Eiskristallen, in der sich das Licht in Tausenden Regenbogen bricht.
Hauptsächlich geht es ihnen jedoch um die Begegnung mit sich selbst. Im Alltag kann man unangenehmen Gefühlen jederzeit ausweichen und sich mit Büchern, Fernsehen, Internet oder den vielen Möglichkeiten der Unterhaltungsindustrie ablenken. Doch in der Stille und Klarheit der Antarktis gibt es drei Monate lang die meiste Zeit des Tages nur die eigenen Gedanken, Empfindungen und die einfachen Dinge des täglichen Überlebens.
Mehr zur Expedition unter www.aloha-antarctica.de.
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