Alpenvereins-Statistik: Weniger tödliche Unfälle in den Bergen

Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat die Bergunfallstatistik seiner Vereinsmitglieder für die Jahre 2006 und 2007 veröffentlicht.


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Obwohl mehr Menschen in die Berge gehen, sinken die Unfallzahlen.
Foto: S.Hofschlaeger / © Pixelio

Die Statistik zeigt eine positive Entwicklung: Die Zahl der tödlichen Unfälle in den Bergen sinkt. Alle Unfälle der rund 768.000 DAV-Mitglieder werden in der Bergunfallstatistik erfasst. In den Jahren 2006/07 starben insgesamt 80 (2006: 46, 2007: 34) DAV-Mitglieder bei Aktivitäten in den Bergen. Obwohl immer mehr Menschen in die Berge gehen und die Zahl der DAV-Mitglieder stetig steigt, ist dies die niedrigste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen 1952.

Diesen Sommer standen einige schwere Alpinunfälle im Fokus der Öffentlichkeit. Die tragischen Ereignisse auf der Zugspitze, am K2, Nanga Parbat und Mont Blanc sind nach den Ergebnissen der Bergunfallstatistik für die Entwicklung des Unfallgeschehens nicht repräsentativ: Trotz der zunehmenden Zahl an Bergsportlern passieren immer weniger tödliche Unfälle. Auch für das Jahr 2008 zeichnet sich keine Änderung ab: Laut Zahlen der Bergwacht Bayern starben im ersten Halbjahr 2008 in den bayerischen Bergen sechs Menschen; damit wird die Zahl der tödlichen Unfälle im Jahr 2007, die bei 31 Toten lag, trotz des gerade laufenden Wanderherbstes wahrscheinlich nicht überschritten werden.

Wie bereits in den Vorjahren sind Wandern und Pistenskifahren mit jeweils fast 30 Prozent Anteil die Disziplinen mit den meisten Not- und Unfällen. Mehr als die Hälfte aller verunglückten Wanderer (50,8 Prozent) stolpern, knicken um oder rutschen aus, 20 Prozent bekommen körperliche Probleme, allen voran Herz- und Kreislaufprobleme, oder leiden an Erschöpfung. Ein weiteres Fünftel aller Notlagen wird durch „Blockierung“ verursacht. Der Wanderer sieht bei einer Blockierung keine Möglichkeit mehr, sich selbst aus einer misslichen Situation zu befreien; häufigste Ursachen hierfür sind Wettersturz, Erschöpfung und Wegverlust.

Das Klettersteiggehen stellt im Berichtszeitraum einen „Ausreißer“ dar – dort sind steigende Unfallzahlen zu beobachten, seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Unfälle in etwa verdoppelt. Insgesamt hatten 2006 und 2007 40 DAV-Mitglieder einen Unfall auf einem Klettersteig, sechs kamen ums Leben.

Der Anstieg hängt vor allem mit dem Trendsport-Charakter des Klettersteiggehens zusammen. Als relativ leichter Weg in die Steilwände der Alpen wird das Klettern an Drahtseil, Leitern und Stahlstiften immer beliebter. Mit der Zahl der Klettersteiggeher steigt auch der Anteil nicht ausreichend ausgerüsteter, überforderter Bergsportler, die das Klettersteiggehen unterschätzen. Die häufigsten Fehlerquellen sind:

- keine zeitgemäße, unvollständige Ausrüstung oder falscher Einsatz der Ausrüstung, vor allem des Klettersteigsets
- Fehler beim Sichern an den Stahlseilen
- ungenügende Tourenplanung mit der Gefahr von Überforderung, Blockierung oder Wettersturz.

Viele Klettersteiggeher unterschätzen, dass es sich in der Regel um hochalpine Unternehmungen mit der Gefahr eines Absturzes auch aus großer Höhe handelt. Dies spiegelt sich auch in der Unfallstatistik wider: 33 Prozent der Klettersteiggeher starben bei einem ungesicherten Absturz, 50 Prozent der tödlichen Unfälle waren auf Stolpern oder Sturz (zum Teil in Folge von Herz-Kreislaufproblemen) zurückzuführen, 17 Prozent starben während ihrer Tour eindeutig an Kreislaufversagen, Herzinfarkt oder ähnlichen Ursachen.

Der Deutsche Alpenverein versucht, den gestiegenen Unfallzahlen entgegenzuwirken - vor allem durch gezielte Aufklärung über die Gefahren und Sicherungsmöglichkeiten beim Klettersteiggehen. Neben vielen Print-Veröffentlichungen hat der DAV in diesem Sommer auch die Lehr-DVD „Erlebnis Klettersteig – Richtig klettern und sichern auf Klettersteigen“ herausgegeben, die im DAV-Shop erhältlich ist.

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