Skitouren in Sibirien

Zum Skibergsteigen nach Sibirien - warum?

Skitour in Sibirien
Foto: Chris Lemke | canyoningallgäu.de
outdoor-User Chris Lemke verband eine Überquerung des zugefrorenen Baikalsees mit fantastischen Ski-Abfahrten auf unverspurten Hängen. Mehr über diese außergewöhnliche Skitouren-Reise nach Sibirien erfahrt ihr hier ...

Jetzt muss ich zugeben, dass ich selbst nicht auf die Idee gekommen bin, in Sibirien auf Skitour zu gehen. Grund der Reise war eigentlich die Überquerung des zugefrorenen Baikalsees. Und als ich in meinem Keller stand und verzweifelt nach meinen langen Unterhosen für kalte Temperaturen gesucht hatte, hat mich der Anruf meines guten Freundes Volker erreicht. Er hätte tolle Nachrichten, ich solle meinen Flug noch nicht buchen und Platz für zusätzliche Ausrüstung schaffen. Ein schneller Blick auf meinen Deuter 45+10 verriet mir, dass ich gerade noch ein paar Artikel mehr auf meine Amazon Shopping–Liste setzen musste.

Buchung und Anreise nach Sibirien

Die Buchung war für unsere Verhältnisse etwas ungewöhnlich, denn es sind für die Region um den Baikalsee weder Bücher noch Karten oder sonstige Informationen zu Skitouren verfügbar. Vielleicht stimmt das nicht ganz, aber zumindest gab es keine Unterlagen, die in lateinischer Schrift erhältlich gewesen wären. Denn hier läuft alles in kyrillisch. Für kurze Zeit stand die Idee im Raum, "einfach ein paar Berge zu suchen und dort hoch zu laufen". Aber das ist unserer Meinung nur möglich, wenn man das Gelände und die vergangenen Schneefälle kennt. Wir haben uns also in verschiedenen Facebook-Gruppen mit Unterstützung von Google Translate einen vertrauenswürdigen Guide gesucht. Sergey!

Angereist sind wir dann mit dem Flieger nach Irkutsk und dann per Taxi und Schneemobil bis vor die Haustür unseres Winterdomizils. Punkt ist, dass das Mamay noch wenig erschlossen ist, und es hier noch nicht einmal Straßen gibt, die durch das Tal führen. Wir waren im Paradies angelangt!

 

Skitour in Sibirien
Foto: Chris Lemke | canyoningallgäu.de Unser Guide Sergey.

Schnee, Schnee, Schnee

Unsere Basis war nun eine kleine aber gemütliche Berghütte in der Nähe des südlichen Ufers des Baikalsees. Dies ist insofern relevant, als das die Tiefdruckgebiete, die aus nördlichen Richtungen in das Mamay-Gebirge kommen, über dem größten See der Erde nochmals ordentlich Feuchtigkeit tanken können. Und die ergoss sich dann bei uns als Schnee. Als sehr viel Schnee sogar!

 

Skitour in Sibirien
Foto: Chris Lemke | canyoningallgäu.de Schnee soweit das Auge reicht!

Abfahrt

Dazu hatten wir noch großes Glück mit dem Wetter, denn für zwei Tage hatten wir nach einem Tief uneingeschränktes Hochdruckwetter. Das bedeutet, wir hatten einen Meter Neuschnee in Verbindung mit Sonnenschein und Windstille. Sergey führte uns also von der Hütte weg auf die umliegenden Gipfel und Bergketten. Wir legten überall die erste Spur, trafen über den Tag keinen einzigen Menschen und sahen nur die sibirischen Berge und den zugefrorenen Baikalsee. Oben angekommen konnten wir uns, mit der Lawinensituation immer im Blick, die Abfahrten aussuchen und das Spiel so oft wiederholen, bis wir nicht mehr laufen konnten!

 

Skitour in Sibirien
Foto: Chris Lemke | canyoningallgäu.de Tiefschnee ohne Ende !

Video zum Skitouren-Trip in Sibirien




Menschen und Kultur in Sibirien

Neben dem fantastischen Schnee und all den sportlichen Möglichkeiten haben uns aber vor allem die Menschen dort beeindruckt. Die Kultur der Siberaks (Menschen aus Sibirien) ist sehr von der Natur und dem harten Klima geprägt. Trotzdem - vielleicht aber auch deshalb - haben wir hier eine Gastfreundschaft erfahren, die der spektakulären Natur in nichts nachsteht. Viele Abende sind z.B. in der Banja oder mit russischen Volksliedern (oder beidem) zu Ende gegangen.

 

Skitour in Sibirien
Foto: Chris Lemke | canyoningallgäu.de Einsames Sibirien!

Reisedetails

Wir sind für ca. 450 Euro von München über Moskau nach Irkutsk geflogen. Wir wurden dann von unserem Guide in Bagzuin abgeholt, nachdem wir den Baikalsee zu Fuß überquert hatten (andere Geschichte). Mit Sergey waren wir dann eine Woche am Stück unterwegs, und es hat ca. 1.000 Euro pro Person gekostet. Hierbei ist aber alles von Transfer, Übernachtungen, Essen, Trinken und Vodka inbegriffen.

Geheimtipp: Visum früh beantragen. Je länger man wartet, desto teurer wird es. Und da sind die Visumsagentur sowie die russischen Einreisebehören gnadenlos!

Über den Autor:

Gastblog-Autor Chris Lemke ist leidenschaftlicher Bergfex und betreibt Bergwasser, eine Website für Outdoor Aktivitäten in Bayern und drumherum.

22.03.2017
Autor: Chris Lemke
© outdoor