Reisebericht: Winnipeg - Manitoba - Kanada

Outdoor-City Winnipeg im wilden Manitoba


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Manitoba, Kanada
Foto: Philip Duckwitz

 

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Riding Mountains Nationalpark, Kanada
Foto: Philip Duckwitz

 

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Die Metropolregion Winnipeg in der kanadischen Provinz Manitoba könnte bunter und belebter kaum sein. Dennoch fand outdoor-User Philip Duckwitz dort viel unberührte Natur, mystisch anmutende Seen und raue Wildnis - und das nur zwei Autostunden von Winnipeg entfernt.

Nebel wallt über die unendlich scheinende Wasseroberfläche, eine Ente meldet einsam schnatternd ihre Gewässerhoheit an, von ferne tönt der klagende Ruf einer Eule aus den dichten Wäldern. Lautlos und majestätisch zieht ein Falke seine Kreise über das stille Wasser auf der Suche nach einem morgendlichen Fang. Das ist der Falcon Lake, der See des Falken, benannt jedoch nach dem Dichter und Komponisten Pierre Falcon, der im 19. Jahrhundert als Angehöriger der Metis - Mischlinge aus Europäern und Ureinwohnern hier in der Gegend lebte. Das ist Manitoba, Kanada, wie es typischer nicht sein könnte. Die östlichste Prärieprovinz des Landes, die vor allem durch ausgedehnte Seen geprägt ist, wie zum Beispiel der Winnipeg-See. Manitou bou, "Engpass des großen Geistes", nannten die Ureinwohner dieses Land, in das sich 1612 erstmals Europäer in einer Expedition verirrten. Und so stehe ich einsam auf dem Bootssteg, der in den See hineinragt, lausche dem Treiben der Natur und beobachte das Erwachen des Tages im Zeichen der sich gerade hinter den Baumwipfeln erhebenden Sonne.

Und dabei findet dieses augenscheinlich romantische Naturerlebnis nur rund zwei Autostunden von der pulsierenden Metropole Winnipeg statt, in der ich tags zuvor gelandet bin.

Viel lässt sich in der Gegend erleben. In den 90er Jahren des vorherigen Jahrhunderts siedelte sich das Ehepaar Craig und Barb hier an, baute Ferien-Hütten, legte Wege an und ließ die Wildnis für Städter erlebbar werden. Heute hilft die ganze Familie mit, bestehend aus drei Töchtern nebst Partnern. Fast luxuriös und gar nicht wie ein Überlebenscamp in der Wildnis kommen die Unterkünfte daher, in denen ich als Besucher hier die unverfälschte Natur genießen kann. Ich beginne den Tag im hütteneigenen Hot Tub, dem Whirlpool auf der Veranda mit Blick auf den See. Diese Tradition haben die zahlreich in der Gegend eingewanderten Isländer hierher gebracht, dessen größte Gemeinde außerhalb Islands nördlich von Winnipeg lebt.

 

Manitoba, Kanada
Foto: Philip Duckwitz

Aktiv in den Tag: Manitoba bietet viele Möglichkeiten

Danach suche ich einen aktiven Start in die Natur mit einer der zahlreichen Möglichkeiten, die diese Gegend bietet. Biathlon im Winter ist eine der besonderen Aktivitäten, die sich hier praktizieren lassen. Zu verdanken ist dies sicherlich auch dem verwandtschaftlichen Verhältnis der Ressort-Betreiberfamilie zu der ehemaligen, kanadischen Biathletin Megan Imri aus Falcon Lake, die als Olympiateilnehmerin 2014 ihre Karriere beendete. Sie nutze die Gegend um den Falcon Lake als Trainingsgebiet. Schon seit den 90er Jahren wird diese Gegend für das Skifahren verwendet und der eigene Schießstand lässt sich auch im Sommer ohne Ski erleben. Caleigh und Brooke, zwei der drei Töchter des Hauses bemühen sich sehr, mich in die Technik des Sportschießens einzuführen.

Doch es geht noch mehr hier mitten im Whiteshell Provincial Park in Manitoba. Wanderungen auf dem vier Kilometer langen Falcon Ridge Trail zum atemberaubenden Aussichtspunkt" Top of the World" durch die tiefen Wälder auf vorbereiteten Wegen oder querfeldein, oder eine entspannte Tour auf dem 2,2 Kilometer langen Falcon Creek sind nur einige Beispiele für eine spannende und aktive Erkundung der Natur. Dabei kann einem durchaus ein Wolf oder der sonst sehr scheue und für den Menschen nicht sehr gefährliche Schwarzbär begegnen. Nicht selten trifft man Rehe an, die durch die Wälder streunen und sich von der Anwesenheit menschlicher Besucher kaum stören lassen. Auch mit dem Mountainbike ist man hier am richtigen Ort und kann gekennzeichneten Routen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen folgen, wie beispielsweise den 2,5 Kilometer umfassenden High Lake Trail, der auch ohne hohes, technisches Können zu meistern ist. Manch einen Biker packt der Erlebnishunger und er begibt sich auf den Big Whiteshell Lake Mountains Bike Trail, der mit neun Kilometern fast so lang wie sein Name ist und mit einer Dauer von 2-3 Stunden durchaus einem hohen Schwierigkeitsgrad zuzuordnen ist. Wer will, schnappt sich ein Kanu oder Kajak und erkundet das Terrain zu Wasser. Ich entscheide mich für den unverfälschten Naturgenuss und entspannte im Whirlpool mit Blick auf den See.

Fischen ist ein besonderes Erlebnis in dieser Gegend

Und das will ich mir nicht entgehen lassen! Erfreut sich im Winter auf dem komplett zugeforenen See das Eisfischen einer besonderen Beliebtheit, so sind es im Sommer die Sport-Genussfischer, die hier ihr Anglerglück suchen. Denn nur rund 2,5 Kilometer vom Falcon Lake entfernt liegt oberhalb des Ressorts der High Lake, dessen Gewässer von der Grenze der Bundesstaaten Manitoba und Ontario durchzogen wird. Hecht, Karpfen, Wels und zahlreiche kleinere Fischarten lassen sich hier angeln.

Mit dem Motorboot geht es zum Fliegenfischen hinaus auf den atemberaubend anmutenden See, der von kleinen Inseln durchsetzt ist und sich in der Morgensonne auf dem Hochplateau in ganzer Breite vor mir aalt. Einsam tuckere ich mit dem Boot über das Wasser. Ein Weißkopfseeadler steigt mit mächtigen Flügelschlägen aus einer der dichten Uferbewaldungen auf und kreuzt meinen Weg. Es zuckt an meiner Angelrute, doch ehe ich die Angelschnur aufspulen kann, hat sich meine Beute davon gemacht. Glück für Fisch und Angler, denn der Genuss des Seepanoramas ist mir heute wichtiger als ein pfundsträchtiger Fang. Eine Gruppe Seetaucher - hier auch Loons genannt - tummelt sich lebendig auf der Wasseroberfläche und hält Ausschau nach einem fischigen Frühstück.

 

Foto: Philip Duckwitz

Ich setze meine Bootsfahrt fort, vorbei an einsamen Hütten mit traumhaftem Ausblick über den See und genieße das Eintauchen in die scheinbare Unendlichkeit der Natur dieser Gegend. Farbenspiele, Wolken, deren bizarre Formen sich im Spiegel des Sees zu skurrilen Erscheinungen wandeln und immer wieder die Magie des Wassers, die einen hier fesselt und in sich hineinzieht. Ja, einsamkeitssuchende Reisende, die im Einklang mit der Natur das pure Erlebnis einer Sinnstimulierung auf hohem Niveau suchen, finden genau hier ihr Paradies sinniere ich in die stillen Weiten hinein. Schauen, hören, atmen, genießen. Das ist der Whiteshell Provincial Park in Manitoba. Aktiv genießen ohne Zwänge, so könnte man dieses Erlebnis beschreiben.

Großstadt-Dschungel Winnipeg

Vorerst verlasse ich die unberührten Weiten der Natur und begebe mich in Manitobas Hauptstadt Winnipeg. Immerhin leben hier fast 70 % der Bevölkerung des Bundesstaates, obschon die siebtgrößte Stadt Kanadas mit rund 660.000 Einwohnern noch eher klein ist. Schlammiges Wasser bedeutet der Name in der Sprache der Ureinwohner und rührt vom nahen Winnipeg-See her. Wenn ich mir das Gewässer des Red River ansehe, der durch die Stadt fließt, kann ich die Namensgebung augenscheinlich nachvollziehen.

Ich beginne meine Stadtentdeckung im Stadtteil Forks am Ufer des Red River und tauche direkt ein in die Geschichte der Stadt, die durch die Eisenbahn im 19. Jahrhundert deutlich geprägt wurde. Denn im Jahr 1886 wurde Winnipeg zu einem wichtigen Verladezentrum an der ersten transkontinentalen Eisenbahn. Noch heute erkennt man an der Architektur der Stadt die einst hohe Bedeutung Winnipegs als Handelsmetropole. Ehemalige Eisenbahnhallen, wie hier in Forks, wurden zu Einkaufs- und Kultureinrichtungen umgewandelt. Handelshäuser und Speicherstätten erfreuen sich heute einer artfremden aber durchaus charmanten Nutzung, die ein stilvolles Großstadt-Flair bezeugen.

 

Forks Market, Winnipeg
Foto: Philip Duckwitz

Der Exchange-District, den ich durchkreuze, liegt nahe der Downtown von Winnipeg und gilt mit 150 historischen Gebäuden aus dem frühen, 20. Jahrhundert als architektonische Sehenswürdigkeit Kanadas, die spannende Geschichten erzählen. Der wirtschaftliche Aufschwung der damals schnellstwachsenden Stadt des Landes und die Konzentration auf den Weizen als Handelsgut sind verantwortlich für die Namensgebung dieses von Handel und Banken geprägten Stadtteils. Die reich verzierten Fassaden, die teilweise mit dem europäischen Jugendstil vergleichbar sind, zeugen von dem Wohlstand vergangener Tage. Die Symbiose aus Vergangenem und Modernem lässt sich an zahlreichen Bauwerken heute gut ablesen, etwa am Red River College, an dem die historischen Teile des ehemaligen Speicher Hauses mit neuen Elementen kombiniert wurden. Weitere Sehenswürdigkeiten sind hier auch das Manitoba Théâtre Center oder der Old Market Square.

Ich spaziere die Main-Street hinab und bewundere die Fassaden von Nordamerikas besterhaltenem, historischen Kommerz-Stadtteil. Vorbei am Manitoba Museum, der City Hall, dem berühmten Pantages Playhouse Théâtre, in dem sich Größen wie Charlie Chaplin einst ihr Stelldichein gaben, zum Old Market Square, auf dem jährlich zahlreiche Musikfestivals stattfinden. Der Stadteil St. Boniface auf der anderen Uferseite des Red River entführt mich in eine französische Welt, denn hier leben die meisten Frankokanadier der Stadt. Als befände man sich in einem anderen Land, zeigen sich Architektur und Straßenbild plötzlich viel verspielter und europäischer als im englischsprachigen Teil Winnipegs.

Ein Sprung führt mich zu Winnipegs Broadway, der zwar nicht ganz so glamourös ist, wie sein Namensvetter in New York, dafür aber an Manitoba wichtigstem Gebäude, dem Legislative Building, dem Parlament des Bundesstaats, vorbeiführt. Dieses Bauwerk ist nicht nur in seiner politischen Bedeutung interessant, es birgt vor allem zahlreiche, architektonische Besonderheiten, die der Architekt Frank Worthington Simon in dem 1920 fertiggestellten Gebäude verbaut hat. Der 77 Meter hohe Kuppelbau mit der signifikanten, goldenen Hermes-Figur auf der Spitze - golden Boy genannt - lehnt sich in seiner Konstruktion und seinen Ausgestaltungen aussen und innen an antike Vorgaben an. Viele Elemente des Freimaurertums mit versteckten Sinn lassen sich hier bei näherer Betrachtung entdecken. Überraschend ist vor allem die Halle im Untergeschoss des Bauwerks, die konstruktionstechnisch ein einzigartiges Klangerlebnis ausmacht, das mich überwältigt.

Nicht weniger beeindruckend ist das von Izzy Asper initiierte, Kanadische Museum für Menschenrechte, das 2012 nach vierjähriger Bauzeit fertiggestellt wurde und mit seinem markanten Turm und dem bauchig-verschlungenen Corpus zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt geworden ist.

 

Foto: Philip Duckwitz

Die Form soll eine Wuzel darstellen, die Architektin Antoine Predock hatte sich bei ihrem Entwurf an den Naturlandschaften Kanadas und den First Nations inspirieren lassen. In den 10 ständigen Ausstellungen des Museums informierte ich mich über die verschiedenen Aspekte und die Grundlagen der Menschenrechte, werde selbst mit meiner Meinung eingebunden. Ich erhalte anschaulich und viral ansprechend aufbereitet einen Eindruck von besonders intensiven Menschenrechtsverletzungen der Geschichte.

Beeindruckt von den historischen und architektonischen Erstaunlichkeiten der Stadt widme ich mich wieder dem Wildlife Kanadas. Ja, auch die Großstadt hat wilde Tiererlebnisse zu bieten. Der Assiniboine Park Zoo, benannt nach einem Sioux-Stamm, der in dieser Gegend lebte, führt eine Besonderheit, die mich in den Tierpark der Stadt treibt. Denn im Arktis-Sektor befindet sich ein untertunneltes Eisbären-Gehege. Hier kann ich in einer Glasröhre stehend unter dem Wasser des Geheges den nordischen Kolossen beim Schwimmen, Tauchen, Fressen zusehen. So nah gelange ich nirgends an die Könige der Arktis heran wie hier. Nur wenige Zentimeter entfernt von mir, getrennt nur von einer Plexiglasscheibe schwimmt der Eisbär an mich heran und schnappt sich den Fisch, der vor seinem Maul dahintrudelt. Ich mache die gewaltigen, scharfen Zähne aus, die aus seinem Maul ragen. Die große, schwarze Nase stößt an die Scheibe, als wollle er mich anstupsen. Dann schwimmt er einige Meter hinauf und setzt sich auf den Bogen der Glasröhre. Ich stehe unmittelbar unter ihm und bestaune des Bären Hinterteil, das verpackt in das kuschlig-weisse Fell des Riesen fast anmutig wirkt. Nebenan im Aquarium drehen jetzt einige Seelöwen unter Wasser ihre Piouretten und versuchen, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Groß und Klein unter den Besuchern ist jedoch gefesselt von der gläsernen Wildlife-Erfahrung des Eisbären-Tauchens, das wohl auch mir ein unvergessliches Erlebnis sein wird.

Gesättigt der Spannung und Bewunderung der Stadt und ihres Innenlebens begebe ich mich zum Ausklang des Tages noch in Manitoba einzige Spa-Einrichtung, eine erst kürzlich eröffnete Thermenlandschaft, in der ich im skurril beleuchteten Hot Tub bei angenehmen 39 Grad Wassertemperatur den Tag unter Kanadas Sternenhimmel ausklingen lasse. Da ist es wieder, das wild-nature-feeling Kanadas, diesmal inmitten des Großstadt-Dschungels von Winnipeg.

Der Ruf der Wildnis im Riding Mountains Nationalpark

Noch einmal zieht es mich hinaus in die Wildnis, hinaus aus Winnipeg, der Stadt, die geographisch den Mittelpunkt Nordamerikas darstellt. Dreieinhalb Autostunden von Winnipeg entfernt liegt der Riding Mountains Nationalpark. Die Riding Mountains sind eigentlich keine Berge, denn die höchste Erhebung ist hier gerade einmal 300 Meter hoch. Aber in den dichten Wäldern und des 2973 Quadratkilometer großen Schutzgebiets südlich der Stadt Dauphin kommen zahlreiche Wildtiere vor, die einem nicht selten über den Weg laufen. Schwarzbären, Bisons, Elche - hier Moose genannt - Graue Wölfe, Wapitihirsche und zahlreiche, kleine Tiere sind hier beheimatet. Die hier bis 1936 ansässigen Ureinwohner wurden leider auf unschöne Art aus dem Park vertrieben, haben heute aber zumindest am Rande des 1986 zum Biosphäre-Gebiets ihr eigenes Reservat.

 

Riding Mountains Nationalpark, Kanada
Foto: Philip Duckwitz

Ich treffe auf Celes Davar, der im Nationalpark Naturkunde-Führungen abhält. Von ihm lerne ich, wie ich die Zeichen des Waldes zu deuten und aufzunehmen habe. Das Pfeifen eines Weihnachtsvogels, der signalisiert, dass etwas im Wald passiert etwa, die Spur eines Bären oder Wolfes lesen. Wie verhält sich der Wolf und, wie nimmt er Witterung auf? Wie orientiere ich mich im dichten Unterholz und lese die Zeichen des Himmels? Die Natur als System des Ganzen und nicht die Elemente alleine zu deuten, lehrt mich Celes, dem ich gespannt lausche. Wir suchen die Spuren des Waldes und verlieren plötzlich unsere eigene. Celes gerät sichtlich in Unruhe, als das GPS sein Signal verliert und wir im Dickicht der untergehenden Sonne stehen. Dann folgen wir den Zeichen des Lichts Richtung Westen und gelangen zurück auf den geeigneten Pfad. Die Zivilisation hat uns nach gut zwei Stunden wieder und ich bin Dank Celes um viele Erkenntnisse über die Natur der kanadischen Wälder reicher.

Doch noch mehr spannende Erlebnisse hält Celes Davar für mich bereit. Nach einem wärmenden Tee und einer romantischen. Stunde am Lagerfeuer mit wohligen Country-Songs und einer heimeligen Atmosphäre lädt mich Celes noch zu einem besonderen Erlebnis ein. Heulen wie ein Wolf in die Nacht hinein - wer weiß, vielleicht antwortet aus der dunklen Ferne ja ein Artgenosse? Ich lerne zu heulen, während der Mond über mir blass in die Dunkelheit leuchtet und die gruselige Stimmung noch untermalt. Weit und laut erklingt unser Geheul in die Stille hinein. Eine Antwort bleibt heute aus. Aber Antworten habe ich heute bei diesem denkwürdigen Erlebnis schon genug Erhalten.

Früh geht es wieder raus am nächsten Tag. Ich treffe Pat Rousseau, der zwar kein Philosoph ist, aber als Parkwärter mit einer rauen Stimme geschwärzt von Whisky und Zigaretten wie ein echter Cowboy aus dem Film daherkommt. Der Mann ist ein Original. Er weiss Geschichten zu erzählen und verfügt über eine Kenntnis der Wälder, die ihresgleichen sucht. Mit ihm fahre ich durch die Wildnis, auf der Suche nach Tieren des Waldes. Unterdessen versorgt mich Pat mit allerlei Abenteuern, die trotz oder wegen ihres hohen Gehalts an Erfindungsgeistes für den Zuhörer fesselnd sind. Von Elchen, die ihn an der Hose durch den Wald schleiften, Bisons, die er in die Flucht jagte und Bären, die mit ihm zu spielen begannen. Aber auch wertvolle Informationen erhalte ich von Pat. Ich lerne, dass Schneisen im Wald wie unüberbrückbare Hindernisse für manches Wild sind, wie Bären ihre Spur aufnehmen und Bisons in der Herde zusammen bleiben, um Feinde abzuwehren.

Und dann ist es endlich soweit. Gut 100 Meter vor unserem Fahrzeug trottet ein riesiger Schwarzbär auf der Straße vor uns her durch die frühe Morgenstunde. Als er uns wahrnimmt, flüchtet er ins nahe Unterholz, Schwarzbären suchen keine Konfrontation mit dem Menschen. Hellwach durch dieses Erlebnis am Morgen halte ich Ausschau nach weiteren Tieren, die auch nicht lange auf sich warten lassen.

 

Manitoba, Kanada
Foto: Philip Duckwitz

Eine Herde Bisons grast friedlich links und rechts der Straße und hat auch direkt den Weg mit in Beschlag genommen. Mächtig, gar wuchtig und eindrucksvoll kommen diese Tiere daher, die über ungeheure Kräfte verfügen und unberechenbar sind. Vorsicht ist also geboten, trotz des friedlichen Erscheinens der Herde. Ich betrachte lange und fasziniert dieses Wild bevor ich langsam davonrolle in meinem Fahrzeug.

Wehmütig verlasse ich am folgenden Tag nicht nur den Riding Mountains Nationalpark, sondern auch Kanada. Herzliche, friedvolle Menschen traf ich hier an, die zusammengewürfelt aus allen möglichen Herkunftsländern stets auf mich als Reisenden zugehen, sich für mich interessieren und mit ihrer offenen und freundlichen Art jedem Besucher sofort das Gefühl geben, zu Hause zu sein. Natur, die weit und unberührt, wild und ungezähmt daher kommt mit einem Arten- und Pflanzenreichtum, Erstaunlichkeiten und Unglaubliches fand ich hier. Winnipeg, die muntere Metropole Manitobas und das Umland als das genaue Gegenteil, all das ist die Mitte Kanadas, das Land der unbegrenzten Naturerlebnisse, das nach mehr verlangt und immer Neues bietet.

 

Alta Badia, Südtirol
Foto: Philip Duckwitz Philip Duckwitz, freier Journalist und Weltenbummler.

Kurz notiert: Reiseinfos zu Manitoba

Wie kommt man hin: Von Deutschland aus fliegt man über Frankfurt nach Toronto und dann nach Winnipeg. Hier kann man Air Canada nutzen, muss sich allerdings in der Economy-Class auf einen spartanischen Service und nicht selten recht unfreundliches und überfordertes Personal einstellen, bei recht hohen Flugpreisen im Vergleich. Die günstigere und freundlichere Alternative führt mit der niederländischen KLM über Amsterdam nach Toronto und von dort mit Air Canada nach Winnipeg.

Zeitunterschied: Zwischen Deutschland und Winnipeg bestehen -7 Stunden Unterschied.

Währung: In Kanada gilt der kanadische Dollar, Umrechnungskurs: 1 Euro = 1,45 kanadische Dollar

Unterkunft: Im Whiteshell Provincial Park wohnt man gut im Falcon Lake Ressort (www.falcontrails.mb.ca). In Winnipeg bietet das Inn At the Forks eine gute und zentrale Unterkunft (www.innforks.com). Im Riding Mountains Nationalpark wohnt man romantisch und gut im Honeycomb B&B (www.honeycombclearlake.com). Hier bietet sich auch direkt der private Charter und Tourservice Shuttle Bug an. Nikita, die Tochter des Hauses, fährt die Gäste auf unterhaltsame Art durch Manitoba (www.shuttlebugclearlake.com). Wer es etwas rummeliger mag, wohnt im Feriendorf Wasagaming im Lake House Boutique-Hotel (www.staylakehouse.ca).

Restaurants & Bars: In Winnipeg isst man ausgezeichnet im Forks Market gegenüber dem Inn At the Forks. Hier findet man nicht nur zahlreiche Shops, sondern vor allem auch Küchen aus zahlreichen Nationen, die in Winnipeg ansässig sind (www.theforks.com). In Winnipeg im Exchange District isst man gut im Restaurant deer + almond (www.deerandalmond.com). In der Albert Street im Exchange District finden sich zahlreiche Bars, die einen Besuch lohnen, darunter zum Beispiel The King's Head Pub (www.kingshead.ca)

Alle Fragen rund um den Besuch von Manitoba beantwortet www.travelmanitoba.com und www.tourismwinnipeg.com.

20.09.2016
Autor: Philip Duckwitz
© outdoor