Reisebericht: Zwischen Wildlife und Streetlife in Kenias Südosten

Von Mombasa in den Tsavo-Nationalpark

Foto: Philip Duckwitz

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In Kenias Südosten sind Wildlife und Streetlife eng miteinander verwoben. outdoor-User Philip Duckwitz erkundete den Tsavo-Nationalpark und wagte sich in den Großstadt-Dschungel Mombasas ...

Der durchdringende Schrei einer verendenden Antilope lässt mich aus meinem nächtlichen Schlaf hochschrecken in meinem Zelt mitten im Tsavo East Nationalpark im Südosten Kenias. Später erfahre ich, dass ein Löwe sich in das nicht umzäunte Camp geschlichen hat, um Beute zu machen. Die Antilopen kommen hier zahlreich und gerne hin, das frische, grüne Gras rund um das Zeltlager lockt sie vom nahegelegenen Wasserloch hier her. Vor allem Elefanten wandern Tag und Nacht in kleinen Herden zu einer Wasserstelle wie dieser.

Zum dem Ende der Regenzeit im Juni sind solche Stellen immer seltener zu finden im Park. Und mein Camp, das nach dem wohl berühmtesten Elefanten Kenias, Satao, benannt ist, liegt direkt vor einer dieser viel frequentierten Wasserlöcher. Satao war einer der wenigen und letzten Elefanten der Gattung „Tusker“, die über besonders lange Stoßzähne verfügen. Geboren 1968 im Tsavo East Nationalpark wurde er 2014 von einem Wilderer wegen ebendieser Zähne getötet durch einen vergifteten Pfeil. Ja, der Elfenbeinhandel ist bis heute ein Problem in Afrika, auch in Kenia, wenngleich er deutlich zurückgegangen ist. Abnehmer findet das illegal beschaffte Elfenbein vor allem in China und den USA. 45 Jahre wurde Satao nur alt, dabei können afrikanische Elefanten durchaus ein Alter von 80 und höher erreichen.

Ich liege hellwach in meinem Zeltbett und lausche den Geräuschen draußen vor dem Zelt. Nur die dünne Stoffwand trennt mich von der Wildnis. Der Löwe scheint noch immer umher zu schleichen und seine Beute zu sichern, sein tiefes Raunen ist deutlich zu hören und flößt mir Respekt ein. Ich denke über das Jagdverhalten dieses „Königs“ der Tiere nach. Weit verbreitet ist die Annahme, dass vor allem die Löwinnen die Beute erlegen und die Männchen sie dann zuerst verspeisen dürfen, es geht hier streng nach Rangordnung. Doch auch Männchen erlegen ihre Beute in selteneren Fällen selbst und erreichen während der Jadg auf eine kurze Distanz bis zu 65 Kilometer pro Stunde an Geschwindigkeit mit Sätzen, die bis zu 6 Meter lang sind. Beeindruckend. Ein Mensch hätte da keine Chance zu entkommen. Und so ein ausgewachsener Löwe braucht immerhin sieben Kilo Fleisch am Tag.

Foto: Philip Duckwitz

Durch die rote Buschsavanne des Tsavo East

Inzwischen haben auch die zahlreichen Affen angefangen lautstark von sich hören zu lassen. Die Jagd des Löwen hat sie vermutlich aufgeschreckt in ihren Bäumen, die sie hier zahlreich bevölkern. Es sind vor allem gelbe Paviane, die hier im Tsavo East zu finden sind. Artenreich kommt der östliche Teil dieses kenianischen Nationalpark im Südosten, an der Grenze zu Tansania daher. Auf den rund 22.000 Quadratkilometern finden sich vor allem Elefanten, Zebras, Löwen, Giraffen, Flusspferde, zahlreiche Antilopenarten wie die Impalas, Affen, Kaffernbüffel Somali-Strauße und selten auch Geparden und Leoparden. Die sehr wenigen, noch verbliebenen Nashörner bekommt man selbst als erfahrener Nationalpark-Kenner oder Wildhüter kaum zu Gesicht. Früher lebten auf dem Gebiet des Parks auch Menschen, das waren vor allem die Volksgruppen der Orma, Watta, Massai und Kamba, die aber nach der Ausweisung des Gebiets zum Nationalpark 1948 umsiedeln mussten.

An Schlafen ist jetzt nicht mehr zu denken. Die Sonne geht bald auf und ich darf mein Zelt auch ohne Begleitung eines Camp-Wächters verlassen. Ich klettere auf den Hochsitz der Anlage und beobachte wie sich eine Herde von acht Elefanten im Licht der aufgehenden Sonne der Wasserstelle nähert. Rot ist ihre Farbe vom Sand der Erde in dessen Schlamm sie hier gerne baden um sich gegen die Sonne zu schützen. Deshalb also werden sie auch die „roten Elefanten von Tsavo“ genannt. Um etwa halb sieben geht zu dieser Jahreszeit hier die Sonne auf und genau 12 Stunden geht sie wieder unter. Der Äquator liegt mit rund 600 Kilometern Entfernung einfach zu nah, als dass die Tage länger sein könnten, die Sonne steigt hier steil auf und ab.

Foto: Philip Duckwitz

Von Flecken und Streifen

Ich beginne den Tag mit einer Safari durch die staubige Savanne. Straßen kann man diese Wege nicht nennen, es holpert und rumpelt unentwegt und ich bin froh, einen Fahrer wie Tim zu haben, der sich nicht nur mit dem Wegenetz in der Wildnis bestens auskennt und es zu bezwingen weiß, sondern auch mit der Artenvielfalt des Parks vertraut ist. Nichts scheint ihm zu entgehen, obschon er sich auf das Fahren konzentrieren muss erspäht er alles, was sich links und rechts des Wegs bewegt. Da! Ein Kopf lugt aus dem dichten grün der Bäume hervor.

Gleich darauf kommt eine Giraffe zum Vorschein, die mit ihren Jungen die Straße direkt vor mir zu überqueren sucht. Majestätisch überschreitet sie den Weg und lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen. Ich bewundere die stolze Paarhuf-Gangart des dunkel gefleckten Tiers. Es ist eine Massai-Giraffe, ihre Musterung dient der Regulierung der Körpertemperatur und nur in zweiter Linie der Tarnung erklärt mir Tim.

Eine Gruppe Grevy-Zebras kreuzt meinen Weg, diese hier vorkommende Art der schwarz-weißen Gesellen halten sich gerne in der Nähe der Giraffen auf, höre ich. Denn als ebenso wehrlose Tiere wie die Langhälse ergänzen sie sich und bilden oft ein für Jagdtriere schwer zu erkennbares Knäuel aus Wesen um die Giraffen herum, so dass etwa für einen Löwen ein einzelnes Tier kaum auszumachen ist. Dabei hilft die gestreifte Musterung des Fells, die auch gegen Tsetsefliegen schützt. Denn genau diese Färbung liegt außerhalb des Sichtspektrums der gefährlichen Stechmücke, die Malaria überträgt. Die Mücken meiden gestreifte Flächen. Und nicht zuletzt dienen die Streifen ähnlich den Flecken der Giraffen der Temperatur-Regulierung.

Foto: Philip Duckwitz

Büffelhitze im Südosten Kenias

Der Safaribus rumpelt weiter durch die Landschaft, ich halte angestrengt Ausschau nach Tieren jeder Größe und Art. Und lange lässt das Erlebnis nicht auf sich warten Eine Herde Büffel trabt eilenden Schrittes heran und sucht die Straße zu kreuzen. Diese zu den „Big Five“ zählenden Tiere sind unberechenbar. Obschon friedlich in der Herde trabend können sie rasch unter Stress geraten und werden dann schnell für den Menschen zu Gefahr, die Einheimischen bezeichnen sie als eine der gefährlichsten Wildtiere. Es sind Kaffernbüffel, die hier vorkommen und zahlreich die Steppe bevölkern. Ich betrachte die Staub aufwirbelnde Masse mit Respekt während sie die Straße kreuzt.

Inzwischen steht die Sonne steil am Himmel, die Temperaturen haben um die 35 Grad erreicht. Nur wenige Tiere laufen nun durch die pralle Sonne. Eine kleine Herde Elefanten stapft entlang der Straße, lautlos. Ich bin beeindruckt. Wie schaffen es diese schweren Tiere, fast lautlos über den Sandboden zu traben? Ihr Körper bewegt sich mit jedem Schritt federnd mit und passt sich jeder Unebenheit sogleich an.

Plötzlich stoppt die Herde. Die große Leitkuh blickt in Richtung unseres Fahrzeugs und signalisiert mit dem Rüssel, dass sie die Straße passieren will. Wir sind ihr zu nahe. Tim legt den Rückwärtsgang ein und fährt das Fahrzeug ein Stück zurück. Erst jetzt überquert die Elefantendame der Herde voran den Überweg. Hier hat das Tier Vorrang, nicht der Mensch, das scheint auch der Elefant zu wissen.

Foto: Philip Duckwitz

Der König liegt am Straßenrand

Und endlich entdecke ich ihn. Den Löwen. Eine Gruppe junger, männlicher Löwen liegt am Wegesrand unter einem Baum und döst in der Hitze. Bis zu 18 Stunden schlafen die Tier täglich und sind damit vergleichsweise inaktiv gegenüber anderen Bewohnern der Savanne. Bemerkenswert ist die fehlende Mähne, die durch einen Gendefekt bei Löwen im Tsavo East Nationalpark nicht oder nur sehr gering vorkommt. Zwei Löwenweibchen liegt unweit der männlichen auf einem Hügel und beobachtet aufmerksam die Umgebung. Majestätisch erheben sich die Tiere, keines Blickes würdigt uns eine der Löwinnen als sie sich langsam aufmacht, die Straße zu überqueren. Sie nimmt das Fahrzeug als ein große Lebewesen wahr.

Würde ich aussteigen, passte ich in ihr Beuteschema. Wie gut dass ich im Fahrzeug stehe und aus dem Verdeck schaue. Doch dann passiert es. Tim fährt nur wenige Meter weiter, die Löwen sind fast noch in Sichtweite, da bekommt das Fahrzeug plötzlich einen Platten. Was nun? Weiterfahren geht unmöglich. Vorsichtig steigt Fahrer Tim aus dem Wagen und schaut sich um. In Windseile wechselt er den Reifen, die Bäume unter denen die Löwen schlummern an der nahen Straßenkuppe immer im Blick. Alles geht gut, wir können die Fahrt fortsetzen. Das kann auch anders ausgehen. Bei ernsthaften Pannen und Zwischenfällen müssen über Funk die Wildhüter zur Hilfe angefordert werden, besonders wenn die Dunkelheit einzubrechen droht. Denn ein unbewaffneter Aufenthalt außerhalb der Camps ist lebensgefährlich.

Foto: Philip Duckwitz

Hippo-Watching in Kenia

Tim führt mich zu einem wilden Flussbett am Fluss Tsavo, nach dem der Nationalpark benannt ist. Flusspferde haben sich entspannt auf einem der zahlreichen Felsen im jetzt wenig wasserführenden Fluss niedergelassen und sonnen sich. Ungewöhnlich, denn die Tiere brauchen das Wasser, damit ihre Haut nicht austrocknet. Um das zu verhindern sondern sie eine rötliche Flüssigkeit ab, die ihre Haut feucht hält. Und sie lassen sich offenbar auch nicht durch unsere Anwesenheit in Sichtweite stören. Normalerweise sind die bis zu 3,5 Tonnen schweren Flusspferde gerade wenn sie an Land sind, leicht in Stress zu versetzen. Und dann gibt es nicht selten kein Halten mehr.

Die schweren Tiere entwickeln auf kurzer Distanz eine erstaunliche Geschwindigkeit auf dem Land. Im Wasser kommt es immer wieder zu Unfällen, wenn Flusspferd-Mütter ihre Jungen verteidigen und dabei auch Boote zum kentern bringen, um sich gegen den Menschen zu schützen. Heute ist alles friedlich und ich betrachte aus ausreichender Entfernung die prallen Wassertiere, wie sie sich auf den Steinen sonnen.

Sonnenuntergang im Camp

Bevor die Safari zu ende geht, lege ich einen Stopp ein auf einer gut übersichtlichen Lichtung in der Savanne. Die Sonne geht bald unter und ich will diesen bedeutenden Moment genießen. Mich empfängt Mike Kirkland, ein verrückter Tausendsassa, der 1956 als englisch-stämmiger Weißer in Kenia geboren und aufgewachsen ist. Er blieb auch nach der Unabhängigkeit des Landes 1963 hier und findet keinen bessern Ort auf der Welt, erzählt er mir.

Heute betreibt er ein Safari-Unternehmen und auch das Camp, in dem ich nächtige, tourt durch die Welt und genießt das Leben. Nebenbei ist er auch noch Rennfahrer mit historischen Tourenwagen, mit denen er auf der ganze Welt an Rennen teilgenommen hat. Er empfiehlt mir zum Sonnenuntergang ein typisches Getränk, dass für diesen Moment kreiert wurde. Der „Dawa“, ein Cocktail aus Wodka, Honig, Zitronenscheiben und Eis. Erfrischend und süß kommt die Mischung daher, während ich das letzte Licht des Tages genieße und die Sonne in der Savanne versinken sehe.

Foto: Philip Duckwitz

Tsavo West – auf Spurensuche mit dem Massai

Meine Reise setzt sich fort in den Tsavo West Nationalpark, der direkt an Tansania grenzt. Von hier kann ich den Kilimanscharo auf der tansanischen Seite gut erkennen, der 5895 Meter hohe Berg, der jährlich zahlreiche Hobby-Bergsteiger in Versuchung führt erhebt sich mit weiß glänzender Kuppe im Sonnenschein vor mir. Die Vegetation im westlichen Teil des Tsavo Nationalparks kommt völlig anders daher als noch im östlichen. War es im Osten trocken mit ausgedehnten Savannen und rotem Sand, treffe ich nun auf eine üppige Vegetation mit hochgewachsenen Bäumen und grünem Buschwerk. Der westliche Teil ist mit rund 9.000 Quadratkilometern deutlich kleiner als der östliche.

Hier befindet sich auch das Shetani-Lavafeld, das vor rund 200 Jahren entstand, als die Erde aufbrach und sich glühende Lava zähflüssig über das Land ergoss. Einer Massai-Sage nach sollen zwei gigantische “Feuerteufel” im Kampf die Erde zum schmelzen gebracht haben. Der schwarze Lavastrom erhielt auch aus dieser Sage seinen Namen, denn Shetani steht für das Suaheli Wort böser Teufel, aber der teuflische Lavastrom gibt noch heute zum Sonnenuntergang die romantische afrikanische Stimmung von roter Sonne und schwarzes Land. Bis heute ist auf dem 11 Kilometer langen und 3 Kilometer breiten Feld keine Vegetation möglich. Immerhin geht die erkaltete Lava bis zu 6 Meter in die Tiefe.

Und noch mehr ungewöhnliche Geschichten hat der Tsavo West zu bieten. Hier soll es im Jahr 1898, als die Eisenbahn gebaut wurde, zwei menschenfressende Löwen gegeben haben, die angeblich 35 Menschen verspeisten. Damals sprachen die Zeitungen von 135 Opfern, das war jedoch übertrieben. Diese kuriose Geschichte schrieb der Großwildjäger John Henry Patterson 1907 in seinem Buch auf. Ich erinnere mich an den Film „Geist der Dunkelheit“ aus den 90er Jahren, in der die Story ebenfalls aufgegriffen wurde. Gut, dass ich heute keine Löwen treffe, obwohl die Artenvielfalt im westlichen Teil des Tsavo Nationalparks nicht minder gering ist als im östlichen.

Ich beschließe eine Safari zu Fuß in den frühen Morgenstunden zu unternehmen. Mich begleitet der Massai Gibeon Saruni, genannt James, ein erfahrener Führer, der in diese Gegend aufgewachsen ist. Und Emily, eine Soldatin des Nationalparks flankiert uns, falls doch ein Löwe oder Elefant aus dem Busch springen sollte. Soldatinnen sind in Kenia nichts ungewöhnliches, erfahre ich von Emily. Eine von 3 Frauen, die sich bewerben wird ausgewählt und verrichtet den gleichen Dienst wie die Männer, seit 2014 arbeitet sie im Nationalpark. I

ch folge James, der mich mit einem föhlichen „Jambo“ - Hallo begrüßt. Er will bereits im Alter von 8 Jahren einen Löwen getötet haben und wurde damit in seinem Stamm als Krieger in die Gemeinschaft der Männer aufgenommen. Er tötete das Tier mit dem Messer, eine Narbe am linken Oberarm zeugt vom Kralleneinriss der Löwentatze. Eine gute Geschichte, die hoffentlich Reisenden gefällt, denke ich bei mir. Aber James hat Ahnung von der Natur.

Er zeigt mir, woran man Elefantenkot männlicher und weiblicher Tiere auseinanderhalten kann, durch die Streuung. Ich lerne, wie man eine Flusspferdspur liest. Der „Zahnbürstenbaum“ ist mit der Essenz seiner Wurzeln eine natürliche Medizin gegen Malaria und Durchfall und der „Sodom-Apfel“ hilft gegen Warzen und bei Hautproblemen. Es scheint keinen Strauch und Baum zu geben, dessen Nutzen James nicht kennt. Wir gelangen zu einem Feuchtgebiet. Krokodile schwimmen hier und tatsächlich höre ich sie laut ins Wasser ableiteten, als wir eintreffen. Gut, dass ich das Flusspferd nicht getroffen habe, dass hier im Wasser lebt. Wahrscheinlich ist es auf Tauchstation gegangen.

Frischer Elefantenkot deutet darauf hin, dass noch vor kurzem einer der Rüsseltiere hier vorbei gekommen ist. Trocknen die grünen Kugeln des Elefantenkots, dann sind sie für den Menschen ein wirksamer Schutz gegen Moskitos, wenn sie verbrannt werden, erklärt mir James. Nach rund 2 Stunden treffe ich wieder in der Zivilisation meines luxuriösen Camps ein. Dieses im Tsavo West ist es benannt nach dem englischen Großwildjäger Denys Finch Hatton, der zugleich der Libhaber der dänischen Schriftstellerin Karen Blixen war. Das bewegte Leben des Jägers und Buschpilot Finch Hatton und seine Liason mit Blixen ist auch in dem autobiographischen Roman „Afrika, dunkel lockende Welt“ und dem darauf basierenden, Filmklassiker „Out of Afrika“ deutsch: „Jenseits von Afrika“ von Sidney Pollack aus dem Jahr 1985 beschrieben.

Foto: Philip Duckwitz

Das Massaidorf

Noch einmal breche ich am Nachmittag auf mit James in ein Massai-Dorf an der Grenze des Nationalparks. Das Volk der Massai pflegt seine Traditionen, es sind die Ureinwohner im Süden Kenias und sprechen Maa. Dass die Massai ursprünglich ein Hirtenvolk sind, erkenne ich bei meinem Eintreffen am Dorf. Ziegen und ihre Hirten umsäumen das Areal. Das einst starke und große Volk der Massai kämpft heute um sein Überleben, es wurde vielfach verdrängt aus den angestammten Gebieten, lieferte sich in der Geschichte immer wieder blutige Kämpfe mit anderen Völkern und gilt eigentlich als ein Nomadenvolk.

Kenias Regierung unternimmt einiges, um eine sesshafte Lebensweise zu fördern, aber die Massai folgen ihrem Weg als Nomaden. Bei meinem Eintreffen im Massai-Dorf, dass aus Lehmhütten besteht, gibt es in großes Hallo. Die Frauen in traditionellen Trachten tanzen und der Stammesälteste segnet unsere Gruppe. Natürlich ist dies in Programm für Touristen und die Massai leben nicht mehr in den hier zu sehenden Hütten. Aber mir als Besucher soll gezeigt werden, wie das ursprüngliche Leben der Massai ablief.

So zeigen mir die Männer des Dorfes, wie man traditionell Feuer macht mit einen Stock und Ziegenmist. Und ich darf eine Hütte betreten und sehe, auf welch engem Raum hier bis zu sechs Menschen leben, fast ohne Fenster. Natürlich werde ich gebeten, die lokale Handwerkskunst zu betrachten und zu erwerben, Schmuck und Gegenstände aus Holz und Perlen, wie sie die Massai selbst tragen.

Fast schon dekadent mutet da der Luxus meines Camps an, in dem es an keinerlei Annehmlichkeiten fehlt, hier mitten im Buschland. Ich sitze entspannt auf der Terrasse meines luxuriösen Zeltes, genieße very british einen Tee und denke an die Safari-Erlebnisse der vergangen Tage zurück zu Fuß und auf Rädern, während ich auf den See des Camps hinausblicke, von dem mir unerhörte Vogelstimmen und Affenlaute entgegenschallen. Meine Gedanken schweifen zurück an den Anfang meiner Reise. An das Stadtleben in Mombasa, der Küsten-Metropole Kenias, in der ich vor weinigen Tagen gelandet bin.

Foto: Philip Duckwitz

Im Großstadt-Dschungel Mombasas

Nicht weniger wild geht es in Mombasa zu. Streetlife ist hier das Stichwort, denn alles Leben scheint sich auf den engen hoch frequentierten Straßen der Stadt, die knapp 900.000 Einwohner zählt. Dass es sich um Kenias wichtigste Hafenstadt handelt, merke ich besonders bei der Ein-und Ausfahrt aus der Metropole. Mehr als tausend Lastwagen blockieren täglich die einzige und schlechte Straße zwischen der Hauptstadt Nairobi und Mombasa, nicht auszudenken, wie in der Regenzeit der Verkehr sein muss. Mein Fahrer Tim hat die Ruhe und lotst sicher aber beherzt durch den chaotischen Verkehr, der sich von und und durch die Stadt schiebt. Märkte am Straßenrand mit allen erdenklichen Waren prägen das Bild der Stadt.

Die vornehmlich moslemisch ausgerichtete Bevölkerung in diesem Landsteil Kenias ist an ihrer Kleidung gut zu erkennen. Das sonst christliche Kenia tritt hier in den Hintergrund. Gespannt schaue ich auf die Menschen, die sich durch den Großstadt-Dschungel bewegen, Karren ziehen mit Obst, Gemüse, Stoffen, Holz und Trinkwasser. Autos schieben sich kreuz und quer durch die wuselnden Mengen. Es ist ein Bild, das nie seine Spannung verliert und mich als Betrachter in sich hineinzieht. Bereits im 11. Jahrhundert siedelten sich die Araber hier an und betrieben Handel. Elfenbein und Sklaven waren das Hauptgeschäft. Dann kamen die Portugiesen und bauten Fort Jesus, dass ich mir noch heute anschauen kann.

Sie blieben nicht lange und 1729 war es vorbei mit der portugiesischen Kolonie. Es folgten die Omanen und dann das Sultanat Sansibar, dass schließlich den Engländern Mombasa verpachtete. Handel ist auch heute noch das wichtigste Geschäft der Stadt. Kaffee, Stahl und Aluminium sind die Güter, die von hier exportiert werden. Touristen wie ich nutzen die Stadt meist als Ausgangsbasis für Safaris im 100 Kilometer entfernt liegenden Nationalpark Tsavo. Sehenswert ist aber sicherlich die alte Markthalle, das Fort Jesus und der markante Torbogen in Form von zwei Stoßzähnen.

Inzwischen ist Mombasa wieder sicherer geworden für Reisende. Kam es noch Anfang des 21. Jahrhunderts zu massiven Anschlägen, kann ich mich heute wieder sicherer, allerdings besser in Begleitung durch die Stadt bewegen.

Bombolulu – Hilfe zur Selbsthilfe

Ich besuche die Werkstätten für Menschen mit Behinderung im Stadtteil Bombolulu. Die Förderung der Menschen hier mit dem Ziel, ihre Begrenzung zu überwinden indem sie wirtschaftlich und sozial integriert werden, dass ist der Leitspruch des Dorfes, das 1969 von der Gesellschaft für körperlich Behinderte Menschen in Kenia gegründet wurde. Traditionelles Kunsthandwerk, Rollstühle, Lederwaren, Kleidung, Textilien und Holzschmuck wird hier angefertigt und sogar exportiert nach Europa und die USA. Die Menschen haben eine Perspektive und eine Aufgabe und die Einnahmen kommen dem Dorf zu Gute. Ich spreche mit Joseph, er fertigt Holzketten an und die natürlich Fröhlichkeit des Mannes mit den zu kurz gewachsenen Beinen ergreift mich sofort.

Das ist mal ein anderes Kenia, kein touristisches, eher ein soziales, dass ich hier kennenlerne, fernab von Touristenprogrammen aber sehenswert in der Kultur des Landes, dass ich nur kurz und vor allem in seiner Tierwelt erfahren habe in meiner Stippvisite zwischen Wildlife und Streetlife im Osten Kenias.

Kurz notiert: Reiseinfos zu Kenias Südosten

Wie kommt man hin: Von Frankfurt aus fliegt die komfortable Linie Ethiopian Airlines mit Stopp in Adis Ababa täglich nach Mombasa. Alternativ fliegt auch der deustche Anbieter Condor direkt nach Mombasa, allerdings nicht täglich
www.ethiopianairlines.com und www.condor.com

Einreisebestimmungen: Für Kenia ist ein Visum erforderlich, dass derzeit bei der Einreise „on arrival“ erworben werden kann und 50 Dollar in bar kostet. Details sind bei der kenianischen Botschaft erhältlich: kenyaembassyberlin.de

Sicherheit: Auskunft über die Sicherheit im Land erteilt das Auswärtige Amt: https://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/KeniaSicherheit.html

Unterkunft:
In Mombasa: www.hotelenglishpoint.com
Im Tsavo East Nationalpark: www.sataocamp.com
Im Tsavo West Nationalpark: finchhattons.com

Reiseveranstalter vor Ort (ohne Flug): Eine Rundreise wie die hier angetretene ist auf der Seite „Magical Kenya“ zusammengestellt, die Flüge müssen dabei separat gebucht werden. Die Seite wird vom kenianischen Tourismusamt und dessen Vetrteung in Deutschland betrieben und ernthält Angebote verschiedener Anbieter: www.magical-kenya.de

Safarianbieter: www.southerncrosssafari.com

Der Bomobolulu Workshop: www.apdkbombolulu.org

25.06.2017
Autor: Philip Duckwitz
© outdoor