Griechenland - Pindos-Gebirge

Wanderung durch die Vikos-Schlucht in Griechenland

Leserreportage aus dem Pindos-Gebirge in Griechenland
Foto: Siegbert Ratz
Nur wenige Wanderer verirren sich zur tiefsten Schlucht der Welt ins Pindos-Gebirge. outdoor-Leser Siegbert Ratz war an der Vikos-Schlucht in Griechenland und hat uns eine Leserreportage mitgebracht ...

 

Leserreportage aus dem Pindos-Gebirge in Griechenland
Foto: Siegbert Ratz Siegbert Ratz, 55, bezeichnet sich selbst als graecophil. Mehrmals im Jahr reist der Arzt nach Griechenland. Als er von Strand und Kultur genug hatte, zog es ihn zur Vikos-Schlucht im Pindos-Gebirge.

Strandurlaub, Antike, Eurokrise: Diese Begriffe fallen den meisten Menschen beim Thema Griechenland ein. Tiefste Schlucht der Welt? Nie gehört. Mir geht es ähnlich: Als Griechenland-Liebhaber kenne ich zwar das Vikos-Mineralwasser, aber die gleichnamige Schlucht nur vom Hörensagen. Daher breche ich im Juni für eine Woche Richtung Pindos-Gebirge auf, in dem die Vikos-Schlucht liegt. Sie befindet sich im Nordwesten Griechenlands, nur etwa 50 Kilometer von der albanischen Grenze entfernt. Den Titel »tiefste Schlucht der Welt« trägt sie allerdings mit einer Einschränkung: gemessen am Verhältnis zwischen Breite und Tiefe. Da haben die Griechen ein bisschen getrickst. Doch trotz des Rekords gilt die Durchquerung der Schlucht als Geheimtipp.

 

Leserreportage aus dem Pindos-Gebirge in Griechenland
Foto: Siegbert Ratz Ebenso alt wie die Häuser sind die Brücken in der Zagori-Region rund ums Pindos-Gebirge.

Vikos-Schlucht in Griechenland: Start in Monodendri

Los geht’s in Monodendri, einem von 46 Dörfern der Zagori-Region im Pindos-Gebirge. Die Zagoria-Dörfer entstanden in den Jahrhunderten der osmanischen Herrschaft, ihr Name bedeutet so viel wie »hinter den Bergen«. Von Monodendri aus steige ich 800 Meter in die Tiefe, vorbei am Kloster Agia Paraskevi. Nach 45 Minuten erreiche ich den Talboden. Über mir ragen die Felswände bis zu 1000 Meter in die Höhe. Doch wegen der saftig grünen Büsche die auf ihnen wachsen, wirkt die Umgebung gar nicht karg. Der Weg führt auf und ab über steinige Geröllfelder, ich muss auf jeden Schritt achten. Zum Glück trage ich feste Wanderstiefel. Einen verknacksten Knöchel kann ich mir nicht leisten. Kaum eine Menschenseele ist außer mir hier unten, der Handyempfang gleich null. Während der rund vierstündigen Wanderung durch die Schlucht begegne ich nur einem holländischen Ehepaar und einem weiteren Wanderer. Verirren kann ich mich nicht: Der Weg ist gut ausgeschildert und führt zudem am Fluss Voidomatis entlang. Das türkisblau glitzernde Wasser verleitet mich fast zu einer Abkühlung. Aber nur fast: Die Wassertemperatur von nur etwa vier Grad schreckt mich dann doch ab.

 

Leserreportage aus dem Pindos-Gebirge in Griechenland
Foto: Siegbert Ratz Die Gebäude des Zagoria-Dorfs Papingo stammen aus der osmanischen Zeit.

Durch die Vikos-Schlucht nach Papingo

Nach vier Stunden habe ich die hohen Felswände hinter mir gelassen und muss mir überlegen, zu welchem Zagoria-Dorf ich weiterwandern soll: am linken Flussufer entlang nach Vikos und weiter nach Aristi oder über das rechte Ufer nach Papingo? Ich entscheide mich für Papingo, denn in Reiseführern wird es als schönstes Dorf der Zagori-Region beschrieben. Ich wandere zwei Stunden lang einen schmalen Pfad hinauf zu dem 250-Einwohner-Örtchen. Der Weg unterscheidet sich nicht besonders von dem durch die Schlucht: Große Steine machen das Gehen schwer.

Papingo hält, was es verspricht: Das umliegende Tymphi-Massiv bietet eine tolle Kulisse. Die Häuser aus Naturstein verschmelzen mit dem Gestein der Umgebung und fallen kaum auf. Ich fühle mich um Jahrhunderte zurückversetzt. Kein Wunder: Das Dorf steht unter Denkmalschutz, Neubauten sucht man vergebens. Bei einem leckeren Essen unter den alten Platanen des Dorfplatzes von Papingo lasse ich den Tag entspannt ausklingen. Rund 13 Kilometer habe ich in etwa sechs Gehstunden zurückgelegt. Wie komme ich nun zurück zu meinem Startpunkt? Der Bus fährt nur einmal pro Woche. Ein Taxi ist auf Nachfrage bei einem der Hotelbesitzer zum Glück schnell herbeigerufen. Die Fahrt kostet rund 35 Euro, doch das ist mir diese wunderschöne Wanderung allemal wert.

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outdoor veröffentlicht jeden Monat eine Leserreportage. Schicken Sie uns Ihre Texte (3000 Zeichen) und Bilder (300 dpi), wir prüfen sie und wählen die besten aus. Keine Sorge: Sie müssen nicht mit einer Anakonda gerungen haben – eine gute Reportage kann auch vom Wandern im Mittelgebirge handeln. Das Honorar beträgt 150 Euro.

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17.10.2016
Autor: Siegbert Ratz
© outdoor
Ausgabe 01, 10/2017, 2016