outdoor-Leser unterwegs auf dem Adlerweg in Osttirol

Leserreise Tirol: Alexandras Hüttentour auf dem Adlerweg


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Foto: Alexandra Scherbel

 

Foto: Alexandra Scherbel

 

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Foto: Alexandra Scherbel
outdoor-Leserin Alexandra hat auf ihrer gewonnenenen Leserreise einiges erlebt. Hier gibt es die Bilder und den Bericht von der mehrtägigen Hüttentour auf dem Adlerweg in Tirol.

10.08.2015 Ströden – Johannishütte
Punkt 9 Uhr starten wir in Ströden am Wanderparkplatz. Erst ein sanfter Anstieg am Maurerbach entlang hinauf zur Jausenstation Stoanaalm auf 1450m. Weiter auf einem Steig eine lärchenbewachsene Talstufe empor, bis man nach ca. 2 Dutzend – gefühlt senkrechten – Steigkehren hinauf zur Göriacher Ochsnerhütte (1.948m) gelangt. Noch ein Stück steil bergauf, dann erreichen wir endlich die Essener-Rostocker-Hütte. Nach einem kurzen Mittagsstopp mit Buttermilch und Bier machen wir uns auf den Weiterweg Richtung Türmljoch. Erst geht es auf dem Schweriner Weg mit traumhaftem Gletscherblick weiter, der in zahlreichen Kehren eine Bergflanke überwindet und nach ca. 1 Stunde Gehzeit, queren wir den Südwesthang des Kleinen Geigers. Immer weiter bergauf – und der Weg zum Türml scheint kein Ende zu nehmen. Nach 2:09h min erreiche ich endlich das Türmloch (2.772m) am Fusse des Türml mit seinem hellen roten Fels. Ausser mir ist dort nur ein älteres Ehepaar, das ebenfalls eine wohlverdiente Pause geniesst. Einige Minuten hat es auch Sabine geschafft und das Türmljoch erklommen. Nach einer weiteren Pause auf dem windig-frischen Joch, machen wir uns auf zum Schlussspurt Richtung Johannishütte. In zahlreichen Schleifen führt uns der Steig durch Schneemulden und Schuttböden hinab in Richtung Zettalunitzbach. Links von uns liegen das Defregger Haus und die traumhafte Gletscherlandschaft des Großvenedigers, den wir nur einen Tag vor unserem Start zum Adlerweg noch erklommen haben. Endlich erreichen wir nach 6,15h Stunden Gesamtgehzeit die urige Johannishütte (2.121m), wo ein kuscheliges Zweierlager auf uns wartet. Zufrieden mit unserer Tagesleistung, lassen wir uns die ganze Pfanne Käsespätzle schmecken, während die Truppe Holländer an unserem Tisch über unseren gesegneten Appetit staunt. Um 21.45 Uhr lassen wir uns zufrieden und mit vollen Bäuchen in die Federn fallen.

11.08.2015 Johannishütte – Eisseehütte

Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Nach einer schnellen Wäsche geht’s zum ebenfalls sehr wohlschmeckenden Frühstück. Abmarsch an der Hütte um 8.39 Uhr im sogenannten „Kaltstart“ – es geht bergauf! Mit einer Großfamilie im Rücken steigen wir mehr oder weniger steil bergauf zum ersten Zwischenziel, der Zopetscharte. Beim Aufstieg zum ersten Plateau haben wir traumhaften Blick auf den Großvenediger, der auch heute wieder unter strahlend blauen Himmel über allem thront. Vor lauter „Aufstiegseifer“ verpasse ich doch glatt den Abzweig zum Sajat-Höhenweg, der aufgrund akuter Steinschlaggefahr leider gesperrt ist. Aber zumindest ein Foto wollte ich doch machen. Laut Sabine war da auch ein ziemlich großes Schild, kaum zu übersehen, was ich allerdings vollkommen unbeachtet rechts liegen hab lassen. So kämpfen wir uns weiter bergauf, erst über schönen Grassteig, dann einigermaßen flacher weiter bis zum Abzweig zur Kreuzspitze. Ab dort beginnt für mich erstmal ein harter Kampf. Mein lädiertes Knie schmerzt und er 200hm-Anstieg zur Scharte zieht sich wie Kaugummi. Doch das Knie hält und ich gewinne den Kampf gegen den Motivations-Schweinehund. Nach 2.43h Gehzeit erreichen wir endlich die Zopetscharte auf 2.958m. Traumhafte Ausblicke nach allen Seiten erwarten uns und entschädigen für meine Leiden des harten Aufstiegs. Tief unten im Tal kann man auch schon unser heutiges Tagesziel die Eisseehütte erkennen. 437m Abstieg liegen also noch vor uns. Rechts erkennt man den Abzweig zur Tulpspitze (3.054m), über den man weiter zur Kreuzspitze auf 3.155m gelangen könnte. Leider können wir diesen bestimmt spannenden Weg allerdings aufgrund fehlender Klettersteigausrüstung nicht beschreiten. Von Ruhe am „Gipfel“ ist leider nicht viel zu spüren, da die Großfamilie ebenfalls beschlossen hat eine Pause einzulegen und das der Umgebung lautstark verkündet. Beim Landjägern und Kräckern machen wir schon mal ein erstes Brainstorming, wie unser Weg morgen zur Sajat-Hütte denn verlaufen könnte. Nachdem wir aber ein Stück des Abstiegsweges gelaufen sind, steht Sabines Entscheidung fest: „Alex, ich mag hier nicht wieder hochlaufen!“ Na, ob das schon das letzte Wort war? Links sieht man, während des steilen, rutschigen und teilweise mit Drahtseilen gesicherten Abstiegs immer den traumhaft blauen Eissee (2.664m). Die Landschaft sorgt wirklich durchgehend für Gänsehautfeeling! Nachdem der schwierigste Teil des Abstiegs hinter uns liegt, geht’s über grüne Wiesen weiter hinab Richtung Hütte. Endlich ist das Ende des Abstiegs da und nun sind es nur noch ein paar Meter bis zur Hütte. Um 13.50 Uhr nach insgesamt 3.45h Gehzeit laufen wir überglücklich in der Eisseehütte (2.521m) ein. Der Hüttenwirt Markus begrüßt uns freudig und neugierig, wer denn die zwei Grazien sind, die diese Tour gewonnen haben. Wir machen es uns erstmal auf der Terrasse mit Bier, Kaßpressknödelsuppe und Rührei mit Speck gemütlich. Es ist auch ein Filmteam anwesend, welches für den Pay-TV-Sender „Marco Polo“ einen Bericht über die Region Prägraten dreht. Auch die sind natürlich neugierig, wie man denn zu so einem tollen Gewinn kommt. Nach einem kurzen Gespräch, nehmen unsere Betten in Lager 3 in Beschlag. Das Lager ist auch „ausgebucht“, außer uns ziehen noch zwei Ehepaare mittleren Alters und zwei junge Männer ein. Die Zeit bis zum Abendessen vertreiben wir uns auf der sonnigen Terrasse mit dem Hüttenwirt Markus, welcher uns tatkräftig bei der Diskussion, welchen Weiterweg wir denn morgen wählen sollen, zur Seite steht. Nach einem leckeren Abendessen mit Nudelsuppe, Putengeschnetzeltem und Aprikosenkuchen, sowie sehr netten Gesprächen mit Johannes aus Hamburg, der sich ohne seine Freundin im jährlichen Wanderurlaub befindet, überwältigt uns beide die Müdigkeit und um 21.24 Uhr ist für heute Zapfenstreich.

12.08.2015 Eisseehütte – Neue Sajathütte

Schon um 6.30 Uhr herrscht reger Betrieb in unserem 8er-Lager. Somit werden wir wohl heute mal vor dem Wecker aufstehen. Frisch gestärkt vom Frühstück, werden alle Sachen wieder im Rucksack verstaut und wir verabschieden uns noch von Markus, dem wirklich außergewöhnlich netten Hüttenwirt. Um 7.53 Uhr starten wir dann in unser neues Tagesabenteuer. Wir konnten uns tatsächlich noch auf eine Strecke für diesen Tag einigen! Auch heute strahlt die Sonne wieder vom leuchtend blauen Himmel, der Wettergott meint es in dieser Woche wirklich außerordentlich gut mit uns. Tja, wenn Engel reisen! Wir marschieren ein Stück des Adlerwegs in Richtung neue Sajathütte, bevor wir dann den Aufstieg in Richtung Vorderer Sajatkopf in Angriff nehmen werden. Unser Plan ist die Gratüberschreitung Vorderer Sajatkopf – Hinterer Sajatkopf – Kreuzspitze und weiter über den Scherneskopf und „Klettersteig“ hinunter zur Neuen Sajathütte. Über den Timmelbach geht es durch das „Hintere Wiesach“ weiter durch das innere Timmeltal. Die zu querenden Steilrinnen sind gut begehbar gemacht worden und auch ein Hangabstieg wurde durch bequeme Kehren entschärft. Schließlich erreichen wir das sogenannte „. Fenster“, den Ort an dem normalerweise der Vordere Sajatkopf auf dessen auslaufendem Südostgrat überschritten wird. Doch wir wagen uns nach einer kurzen Pause an den Aufstieg zum Vorderen Sajatkopf. Schon die ersten paar Meter sind eine wahren Herausforderung. Quasi senkrecht geht es über Grashänge und teils zugewachsene Wegspuren hinauf in Richtung Gipfel, das Gipfelkreuz immer in Sicht. Die Waden brennen und jeder Schritt ist tatsächlich eine Qual. Normalerweise ist es ja nur Sabine, die sich bei harten Aufstiegen von Metallica aus dem Kopfhörer antreiben lässt, heute aber brauche auch ich etwas Motivationshilfe, um den Steilanstieg bewältigen zu können. Die Grashänge haben wir lange hinter uns gelassen und jetzt heißt es mit Händen und Füßen über Steine und Felsen weiter empor in Richtung Gipfel. Ich muss tatsächlich unweit des Gipfels noch eine Essenpause einlegen, während Sabine tapfer weiterstapft. Nach einem schnellen Riegel und Traubenzucker mache auch ich mich an die letzten fordernden Höhenmeter. Nach 1.45h Aufstiegszeit ist es endlich vollbracht, der Vordere Sajatkopf (2.915m) ist erklommen. Halleluja. Doch von Gipfelglück sind wir beide weit entfernt, im Gegenteil, wir sind beide ziemlich kaputt und sitzen bedröppelt am Gipfel mit dem mulmigen Gefühl, was uns auf dem weiteren Weg jetzt noch alles erwarten mag. Nach einer ausgiebigen Pause mit genügend Stärkung, werden die 10kg schweren Rucksäcke wieder geschultert und es geht weiter. Nach ein bisschen einfacher Kletterei am Anfang, wird der Weg auch tatsächlich schöner und breiter und trotz Steigung, auch gut zu gehen. Auch hier oben eröffnet sich uns eine unbeschreibliche Aussicht zu allen Seiten. Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau und die Landschaft breitet sich in ihren schönsten Farben unter uns aus. Kaum merklich haben wir auch schon den Hinteren Sajatkopf (3.098m) bezwungen. Man kann ihn aber auch schon leicht übersehen, da er ja leider kein Gipfelkreuz vorzuweisen hat. Doch die Entspannung sollte uns bald wieder vergehen. Über steile Felsen, die durch losen Schotter teilweise ziemlich rutschig sind, geht es, stets ungesichert, mit dem schweren Rucksack auf den Schultern, bergauf und bergab. Es erfordert wirklich Mut, Geschick, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit auch nur einen Schritt weiterzugehen. Doch unserer ausgeprägten Bergerfahrenheit sei Dank, gehen, bzw. Klettern wir beide sicher durch alle Gefahren, bzw. durch die laut Tourenbeschreibung stets bestehende objektive Lebensgefahr hindurch. Auch wenn die Grenze unserer Belastbarkeit schon vor längerer Zeit erreicht ist und wir teilweise nur noch mechanisch funktionieren. Und plötzlich taucht sie vor uns auf – die Wetterstation auf dem Gipfel der Kreuzspitze. Wir haben es tatsächlich geschafft. Wir sind da. Um 13.30 Uhr fallen wir uns überglücklich und stolz wie Bolle, vor dem Gipfelkreuz der Kreuzspitze (3.155m) in die Arme. Ab heute nennen wir uns definitiv „Alpinistinnen“. Gott, was müssen wir lachen. Und jetzt erstmal ein Schnapps! Die atemberaubende Aussicht entschädigt uns aber wirklich für alle Strapazen, die wir auf dem Weg hierher durchlebt haben. Der Großvenediger, das Türmljoch, die Zopetscharte, die Eisseehütte und unser heutiges Endziel, die Neue Sajathütte, alle haben uns auf unserem heutigen Weg ständig begleitet und jetzt können wir auf dem Gipfel der Kreuzspitze endlich alles in Ruhe auf uns wirken lassen. Nirgends fühle ich mich freier und glücklicher, als auf dem Gipfel eines Berges. Der Gipfel der Kreuzspitze und der beschwerliche Weg hierher, machen das Gefühl heute noch intensiver. Nach einer großzügigen und durchaus verdienten Gipfelrast machen wir uns an den Abstieg. Schließlich warten ja noch ein gesicherter Steig und 555m Höhenunterschied auf uns. Die Sonne lacht noch immer über uns, während wir uns über Sand, Schotter, Fels, Stein und ein bisschen Drahtseil zum Scherneskopf-Plateau hinabarbeiten. Jetzt noch das letzte Stückchen gesicherter Steig, welches sich für uns „Klettersteiglerinnen“ als durchaus einfach – und ohne Set problemlos zu begehen – herausstellt. Vorbei an, auf einem Schneefeld ruhenden Schafen und durch endlich wieder blühende Blumen und grünes Gras, erreichen wir schließlich um 15.16 Uhr, nach 5.35h reiner Gehzeit die Neue Sajathütte (2.600m). Dort gibt es auf der sonnigen Terrasse erstmal obligatorisch Spezi, Skiwasser und Bier, dazu Leberknödelsuppe und Hauswürstl. Oh ja, das tut den geschundenen Gliedern gut. Wir treffen auch noch auf eines der Paare aus unserem Eissee-Lager und es werden gegenseitig die Erlebnisse des Tages ausgetauscht. Doch die größte Überraschung wartet erst noch auf uns: das Komfortzimmer mit eigener Dusche und WC. Der absolute Hammer! Sogar Handtücher und Bettwäsche sind da. Nach einer schönen warmen Dusche genießen wir die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse bei einem Bierchen. Nach dem Abendessen, lassen wir uns dort nochmals nieder, um der weiblichen „Sangestruppe“ zu entgehen, die sich im Nebenraum eingenistet hat und dort lauthals „Über den Wolken“ von sich gibt. Einfach nur ein wenig Ruhe und Frieden der Bergwelt genießen, bevor wir uns dann in unserem Komfortzimmer, den Kopf noch voll der Ereignisse des heutigen Tages, zur Nacht betten. Zapfenstreich um 21.35 Uhr.

 

13.08.2015 Neue Sajathütte – Bonn-Matreier-Hütte

Um 07.20 Uhr klingelt heute der Wecker. Während Sabine wie immer hypermotiviert aus dem Bett springt, brauche ich, trotz der auch heute Morgen wieder durchs Fenster strahlenden Sonne, doch etwas länger, das kuschelige Bett unseres Komfortzimmers zu verlassen. Der gestrige harte Tag steckt mir doch noch etwas in den Knochen. Aber nach einem ausgiebigen Frühstück mit Weißbrot, Leberwurst, Jogurt, Saft und Kaffee kehrt wieder Leben in meine müden Knochen und schnell sind die Sachen im Rucksack verstaut. Rein in die Wanderschuhe und um 08.41h geht es dann auf in die Abenteuer des neuen Tages. Zuerst führt uns die Strecke ein Stück des Weges zurück zur Eisseehütte. Knapp 30 min. später erreichen wir wieder die vertraute Kreuzung am „Fenster“. Der Ausblick in alle Himmelsrichtungen ist bei strahlend blauem Himmel auch heute wieder atemberaubend und wir beschließen, dass wir es heute erstmal bisschen ruhiger angehen lassen und eine kleine Pause einlegen. Der Blick auf das unter uns liegende Timmeltal und auf das Panorama der im Süden liegenden Lasörlinggruppe lädt aber auch förmlich dazu ein. Von der Landschaft motiviert, geht es nun weiter auf dem Weg vom Vortag zur Eisseehütte. Als wir um 11:00h die altbekannte Kreuzung zur Eisseehütte erreichen, beschließen wir, dass die Zeit noch für einen Abstecher zum Eissee reicht, welchen uns Markus, der Hüttenwirt der Eisseehütte, mehrmals wärmstens ans Herz gelegt hat. Nur 40min. später erreichen wir diesen auch und der Anblick war jeden zusätzlich Schritt mehr als wert. Der Blick auf die Seewandspitze mit ihrem Gipfelkreuz und den schönsten Farben schillernde Eissee (.6262m) sind wirklich wie aus dem Bilderbuch. Doch die Krönung des Ganzen: Edelweiß …. Soweit das Auge reicht! Ich habe noch nie in meiner langen Bergkarriere eines gesehen und hier wachsen sie tatsächlich in Büscheln. Unbeschreiblich. Doch wir müssen weiter, schließlich haben wir ja noch einiges an Weg vor uns. Mal wieder gefühlt senkrecht kämpfen wir uns bergauf um oben dann gemütlich zur Eisseehütte abzusteigen. Pustekuchen. Oben angekommen ist weit und breit keine Hütte in Sicht, stattdessen Unmengen Wasser und Steine. Wie auch immer es gekommen ist, wir verlieren den Weg aus den Augen und marschieren natürlich in die falsche Richtung. Irgendwie kämpfen wir uns über das Wasser und Stock und Stein, bis wir endlich irgendwo wieder eine rot-weisse Markierung erkennen. Und schließlich erreichen wir auch wieder die Eisseehütte (2.521m). Anna, die Bedienung, erkennt uns auch gleich wieder und freut sich sichtlich, als wir beide wieder Kaspressknödelsuppe und Eier mit Speck bestellen: „Scheint geschmeckt zu haben!“ Auch der Hüttenwirt Markus gesellt sich noch auf einen kurzen Plausch zu uns und will uns natürlich nicht ohne eine Schnappserl zur Stärkung weitermarschieren lassen. So machen wir uns frohen Mutes auf den Weg zur Bonn-Matreier-Hütte. Erst kurz hinab, dann einigermaßen flach und schließlich wieder stetig bergauf. Die übliche Wegführung des Adlerwegs eben. Den gestern abgekletterten Grat vom Vorderen Sajatkopf über den Hinteren Sajatkopf weiter zur Kreuzspitze stets zu unserer Rechten. Irgendwie sind wir schon ein bisschen stolz. Außerdem passieren wir auf unserem Weg die markante Osttiroler Bergmajestät, den Hohen Eichham (3.371m). Auf der gegenüberliegenden Seite zum „Fenster“ angekommen, verlassen wir nun die uns mittlerweile schon sehr vertraute Aussicht und betreten neues „Aussichtsgebiet“. Der Höhenweg führt hier weiter über eine Wiesenflanke südlich der Wunwand, bis zum ausklingenden Südgrat der Wunspitze. Dort geht’s dann mal wieder über Serpentinen hinauf zu einer Felsnische. Die Route des Höhenweges verläuft noch hoch über dem Virgental, zum Teil unter den Bruchstücken eines alten Felssturzes hindurch und führt schließlich auf den Eselsrücken (2.662m), der den Zugang zum Großen Niltal öffnet. Hier wartet die nächste Überraschung auf mich: Ich kann die Hütte sehen … auf einem Plateau einige 100 Meter Luftlinie von mir entfernt. Und was wartet auf mich/uns? 15 enge Kehren, die von der Anhöhe durch eine schmale Rasenrinne hinab auf Sandboden führen. Sabine scheint dieses ganze Auf&Ab überhaupt nichts auszumachen, aber ich muss sagen, dass ich doch damit zu kämpfen habe. Vielleicht sollte ich meine eigene Definition von „Höhenweg“ doch nochmal überdenken. Noch ein paar Schritte über den mächtigen Abfluss aus dem Nilkees, das Etappenziel, die Bonn-Matreier-Hütte, immer im Blick. Auf gutem Steig und über in den Fels gehauene Steinstufen gelangt man in den Bereich des stattlichen, schindelverkleideten Schutzhauses auf 2.750m. Um 16.30h ist es vollbracht, ich setze meinen Fuß in die Hütte! Die Hüttenmädls begrüßen mich sehr freundlich und auch wieder neugierig, wer denn die Gewinner sind. Während ich auf Sabine warte, die noch ein Stück hinter mir ist, drücken mir die Mädls erstmal ein Schnappserl in die Hand, mit dem ich Sabine beim „Zieleinlauf“ begrüße. Dann geht’s erstmal auf die noch sonnige, wenn auch schon etwas windig-frische Terrasse, zu unseren üblichen Getränken: Skiwasser+Bier und Spezi+Weissbier. Da es aber doch relativ schnell kühl wird und ich zu frieren beginne – Sabine friert ja nie – beziehen wir unser gemütliches 3er-Zimmer und dann auf in die Dusche. Das Abendessen entschädigt dann wirklich für alles, was mir an diesem Tag gegen den Strich gegangen ist. Wir haben ja schon vorab gelesen, dass das Essen auf der Bonn-Matreier-Hütte das Beste ist, aber man ist ja dennoch gespannt. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Doch das Büffet übertrifft alle Erwartungen: Melone mit Schinken, Käsesuppe, Salat, Paprikaschnitzel, Kartoffeln und vegetarischer Gemüseauflauf. Selbst, wenn ein Nachschlag von den Köchen bestimmt gerne gesehen wird, es passt einfach nix mehr rein. Gott sei Dank haben sich die Köche mit der Nachspeise dann etwas Zeit gelassen, denn die zu verschmähen wäre wirklich Frevel gewesen. Tiramisu, Mousse au chocolat und Eiskaffee…Alfons Schuhbeck wäre vor Neid erblasst. Wirklich wie im Sternerestaurant. Nach 2 Tassen meines persönlichen Getränkefavoriten „Jagatee“ – natürlich ebenfalls hausgemacht, fallen wir satt, glücklich und vollkommen zufrieden ins Bett. Zapfenstreich um 22:14 Uhr.

14.08.2015 Bonn-Matreier-Hütte – Badener Hütte

Um 07.00 Uhr bricht heute der vorletzte Wandertag mit dem Schrillen des Weckers an. Nachdem Sabine wie immer topfit aus ihrem Schlafsack hüpft, brauche ich meine morgendliche Anlaufzeit um mich aus dem Schlafsack zu schälen. Aber das Frühstück überrascht ebenso wie das Abendessen am Vortag. Kaffee, Tee, Saft, Müsli, Joghurt, Wurst, Käse, Ei und selbstgemachtes Brot und Kuchen lassen das Herz des Wanderers höher schlagen. Mittlerweile ist das morgendliche Rucksackpacken auch schnell erledigt, schließlich haben wir das ja schon ein paar Tage geübt. Und so starten wir um 08:37 Uhr auch heute wieder bei Sonnenschein und bestens gestärkt in die Tagesstrecke Richtung Badener Hütte. Ein Stück oberhalb der Bonn-Matreier-Hütte zweigt der Steig nach rechts ab in Richtung Kälberscharte (2.791m). Wir durchschreiten den steinigen Bergtrog, den Blick immer suchend nach den rot-weißen Markierungen auf den Steinen, um den Weg nicht zu verlieren und erreichen schließlich die schrägen Felstürme der Kälberscharte. Auf beiden Seiten der Scharte versuchen uns Treppen und Stahlseile den Übergang ins Kleine Niltal und den Aufstieg zur höher gelegenen Galtenscharte (2.871m) zu erleichtern. Diese erreichen wir nach ziemlich genau einer Stunde um 09:37 Uhr. Ein kurzes Päuschen muss jetzt schon sein, um die sich uns hier bietende traumhafte Aussicht zu genießen. Ganz hinten blitzt er im schönsten Licht unter strahlend blauem Himmel – der Großglockner (3.798m). Und ab jetzt geht’s mal wieder richtig los. Erst noch ein Stückchen an der Wand entlang mit Seil gesichert entlang. Ein Schild mahnt uns hier: „Steinschlaggefahr. Hang beobachten und nicht anhalten.“ Ein bisschen mulmig ist uns schon auf dem gerade „schuhbreiten“ Pfad am Hang entlang. Der steile Abstieg hinunter zum Malfroßnitzbach fordert wirklich nochmal alles von uns und natürlich muss man den 600 Höhenmeter Abstieg später auch wieder wettmachen – same procedure as every day also. Das obere Teil des Steilstücks ist stahlseilgesichert, im Mittelstück könnte uns laut Beschreibung auch im Sommer ein hartnäckiges Schneefeld erwarten – tut es aber Gott sei Dank nicht. Wir können schneefrei weiter am Stahlseil hinabsteigen. Weiter unten wird das Gelände etwas flacher und wir legen erstmal noch ein kleines Päuschen ein. Die letzten beiden Kaminwurzen werden verdrückt, ab jetzt gibt es nur noch Nüsse und Riegel unterwegs. Ein Stück müssen wir noch bergab zur Brücke am Malfroßnitzbach, dann haben wir das härteste Stück bergab endlich geschafft. Kaum die Brück überquert, geht es auch schon wieder bergan. Der Höhenweg führt uns an den grünen Hängen der Hohen Achsel (3.161m) von Süden nach Norden hoch über dem Froßnitztal. Wir passieren dabei wirklich landschaftlich sehr abwechslungsreiche Teilstücke, wobei kurze Stellen stahlseilversichert sind. Vorbei an zahlreichen Bächen kommen wir zum „Achselsee“, einem grasumwachsenen, von einer Moräne abgedichteten Tümpel. Hier verbindet sich der Venediger Höhenweg mit dem Talweg. Ab hier beginnt der finale Aufstieg zur Badener Hütte (2.608m). Einmal noch um die Kurve und schon sieht man sie hoch oben über allem thronen. Noch 400hm gilt es zu bewältigen. Leider verschlechtert sich das Wetter zusehends. Der blaue Himmelweicht allmählich den grauen Wolken, es sieht so aus, ob wir nach einer Woche mit strahlendem Sonnenschein doch noch in den „Genuss“ von Regen kommen sollten. Wie mächtig das Wasser der Gletscher, auch ohne Regen in den letzten Tagen, ist, sollte uns an der Brücke über den Froßnitzbach bewusst werden. Die Wassermassen stürmen herab und es ist tatsächlich ein Wunder, dass die Brück noch steht. Man versteht hier sein eigenes Wort nicht mehr, so laut ist die Gewalt des herabbrausenden Wassers. Schließlich gelangen wir zur Seitenmoräne des Froßnitzkees, weiter bergauf in Richtung Hütte, die nun greifbar nahe liegt. Das Frosnitzkees erstreckt sich in all seiner Weite und glänzt unter den letzten verbleibenden Sonnenstrahlen, die es noch durch die Wolken schaffen. Um 14:06 Uhr erreich wir die Badener Hütte - die letzte Unterkunft auf unserer Reise. Mittlerweile ist die Sonne verschwunden und die Temperaturen sinken hier oben recht schnell. Somit tauschen wir heute das gewohnte „Ankunftsbier“ in Tee mit Rum und suchen uns ein kuscheliges Plätzchen in der Hütte. Nachdem sich am Nebentisch eine furchtbar laute Männergruppe breitmacht, die lauthals diskutiert, ob der Bierkonsum des Vorabends heute noch zu steigern geht, suchen wir aber schnell das Weite – das ist für den letzten Abend definitiv zu anstrengend. Unser kuscheliges Lager für heute wird bezogen und die Dusche mangels warmen Wassers dann doch auf den nächsten Tag verschoben – heute nur schnelle Katzenwäsche. Die Zeit bis zum Abendessen verbringen wir bei Wandertagebuch schreiben und Tee mit Rum. An unserem Tisch sitzt ein nettes älteres Ehepaar, das ganz begeistert der Geschichte unserer langen Tour und Erlebnisse lauscht und auch einiges über ihre Tour erzählt. So wird es doch noch ein sehr kurzweiliger Abend, unterstützt von Fritattensuppe, Käsenudeln und Marillenpalatschinken. So legen wir uns heute ein letztes Mal in den Hüttenschlafsack, während draußen mittlerweile der Regen an die Fensterscheibe prasselt. Das kann ja morgen heiter werden! Zapfenstreich 21.45 Uhr.

15.08.2015 Badener Hütte – Matreier Tauernhaus

Leider hat sich das Wetter nur dezent gebessert, aber immerhin regnet es beim Aufwachen nicht. Man sieht allerdings deutlich, dass es des Nachts durchaus auch geschneit hat und die umliegenden Berge leicht angezuckert sind. Nach der gewohnten morgendlichen Routine von Waschen, Frühstück und Packen starten wir um 07:50 Uhr bei knapp über Null Grad in den letzten Tag unseres Abenteuers „Adlerweg Hohe Tauern“. Von der Badener Hütte wandern wir zuerst über den Venediger Höhenweg hinauf in Richtung Löbbentörl (2.770m). Nach Aussage des Hüttenwirtes müssten wir die Strecke, wenn wir zügig gehen und uns beeilen noch schaffen, bevor das Wetter nochmal schlechter wird. So ganz geheuer ist das Ganze unter Zeitdruck und mit rutschigem Boden zwar ned wirklich, aber wir wagen es – so viel Auswahl haben wir aber für den heutigen Tag auch nicht. Durch einige felsdurchzogene Rinnen und kleine steilversicherte Schluchten, weiter über eine kurze Halde geht es hinauf zum Löbbentörl, wo im Schutz eines Felsens ein Kreuz und eine Gedenktafel stehen. Mittlerweile blitzt hier oben tatsächlich schon wieder ein bisschen die Sonne hervor, während das Tal noch unter einer dichten Wolkendecke verschwunden ist. So ein bisschen „Über den Wolken-Gefühl“ kommt hier schon auf. Das Wetter bessert sich tatsächlich und wir zwei „Engel“ scheinen auch heute nochmal Glück zu haben. Und wie sollte es auch anders sein, von hier an geht es steil bergab. Immerhin stehen heute ja auch 1.600hm im Abstieg an. Irgendwann muss es ja mal losgehen. Der nordseitige Abstieg mit kurzen Steilstellen führt auf Fels-Rasen-Rücken und Altschnee hinunter zur Seitenmoräne des Schlatenkees. Wir können gar ned aufhören stehenzubleiben und zu fotografieren. Die Landschaft um uns wirkt fast mystisch. Der Schnee und das Eis des Schlatenkees, das dunkle Geröll und die immer wieder auftauchenden Nebelschwaden im ständig wechselnden Licht machen den Abstieg zu einem unglaublich beeindruckenden Landschaftserlebnis, das ich definitiv bisher so noch nicht gesehen habe. Ich hoffe, dass die Bilder auch nur einen Bruchteil dessen speichern können, was die Realität gerade auf uns ausstrahlt. Auf der Seitenmoräne geht es weiter bergab. Am unteren Keesboden gibt es einen Übergang zur alten Prager Hütte, hier kann man auch zum bestimmt faszinierenden Gletscherschaupfad „Innergschlöss“ abbiegen. Wir allerdings entscheiden uns hier, am „Auge Gottes“ Pause zu machen. Schließlich sind wir ja auch bereits 3 Stunden unterwegs und haben schon, abgesehen von den Aufstiegsmetern zum Löbbentörl, über 600hm an Abstieg in den Beinen. Die Füße lassen uns auch langsam wissen, dass es jetzt bald genug ist. Die Blasen sind quasi nicht mehr zählbar und an das Brennen der Fußsohlen habe ich mich ja mittlerweile auch schon gewohnt, aber so ein 1.600h-Dauerabstieg am letzten Tag ist schon nochmal die krönende Herausforderung für die geschundenen Knochen. Der Venediger Höhenweg passiert den Salzbodensee, in dem sich Hoher Zaun und Schwarze Wand spiegeln. Um 12:00 Uhr ist es endlich vollbracht. Der Direktabstieg ist vollbracht, wir sind unten!!!!! Nördlich des gletscherweißen Gschlössbaches wendet sich der Weg scharf nach Osten und wir wandern beschwingt mit den letzten Reserven weiter in Richtung Venedigerhaus (1.689m) in Innergschlöß, in dem wir unsere hart verdiente Mittagspause einlegen. Mit Schnitzel, Toast, Spezi, Skiwasser und Bier versuchen wir wieder Leben in unsere müden Körper zu bringen. Der Blick hinauf macht uns schon hier ein bisschen stolz, was wir diese Woche alles erlebt und geleistet haben. Und trotz all der Schmerzen und Strapazen schon auch ein wenig wehmütig, dass sich unser Weg doch so langsam aber sicher dem Ende neigt. Nach der ausgiebigen Rast geht es weiter entlang des Glössbaches talauswärts. Den Halt an der zwischen den Almen von Inner- und Aussergschlöss liegenden alten Felsenkapelle, lassen wir aber dennoch aus, schließlich erwartet uns ja gegen 14 Uhr das bestellte Taxi am Matreier Tauernhaus. Das Tal weitet sich nun. Von Gschlöss geht es noch ca. 1 Stunde sanft über 200hm bergab (sanft?!) zum Matreier Tauernhaus (1.512m), wo wir schließlich um 14:18h mit weichen Knien, aber überglücklich ankommen und dem Taxi am liebsten um den Hals fallen würden. Es ist vollbracht! Unser Taxifahrer bringt uns sicher und mit einigen Erzählungen zurück nach Ströden, wo wir um 15:00 Uhr Sabines Auto wohlbehalten, als einziges verbliebendes Auto, wieder in Empfang nehmen. Das Gefühl die Schuhe ausziehen, denke ich, brauche ich hier nicht weiter zu erörtern – das versteht jeder Wanderer auch ohne Worte. Somit endet unser Gewinn, dort wo er vor 7 Tagen begonnen hat – im Gasthaus Islitzer in Hinterbichl. Auch dort werden wir wieder freundlich begrüßt und dürfen das von Bernhard von der Osttirol Werbung hinterlegte Starterpaket in Empfang nehmen, das für uns ja eigentlich ein „Finisher-Paket“ ist. Bei einer Flasche Sekt und einem nochmals hervorragenden Abendessen im Gasthof Islitzer, lassen Sabine und ich die Erlebnisse der letzten Tage noch mal Revue passieren und der ein oder andere Lacher schallt laut durch den Gastraum.

 

Wie immer, wenn Sabine und ich unterwegs sind, gibt es eigentlich nur ein Wort dafür: LEGENDÄR! Trotz aller Höhen und Tiefen, allem Bergauf und Bergab, aller Durchhänger und Flucher, die ich auf diesem Weg ausgestoßen habe, möchte ich keine einzige Sekunde davon missen. Denn es war wirklich ein unbeschreiblich schönes und absolut unvergessliches Erlebnis, das wir Dank Euch erleben durften. In diesem Sinne möchte ich den Bericht mit Sabines Lieblingsworten zu Motivationszwecken beenden:

„Die Sonne scheint … wir haben frei … wir machen das, was uns Spaß macht … und der Mensch wächst mit seinen Aufgaben!“

DAAAAAAAAAAAAAAAANKE

Weitere Infos zum Weitwandern auf dem Adlerweg hier

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Fotostrecke: Der Adlerweg in Tirol - Impressionen

7 Bilder
Wandern in Tirol Foto: Tirol Werbung
Wandern in Tirol - Adlerweg Foto: Tirol Werbung / Frank Bauer
Wandern in Tirol - Adlerweg Foto: Tirol Werbung / Frank Bauer
07.12.2015
Autor: Alexandra Scherbel
© outdoor