Trekkingtour auf dem Kungsleden - Schwedisch Lappland

Kungsleden: Leserreportage aus Nordschweden

Kungsleden: Leserreportage aus Schweden
Foto: Thomas Zelger
Trekking auf dem Kungsleden in Schweden hat etwas Magisches. Nicht einmal die Launen des Wetters können den Zauber Lapplands zerstören. outdoor-Leser Thomas Zelger hat vom Kungsleden eine Leserreportage mitgebracht ...

 

Kungsleden: Leserreportage aus Schweden
Foto: Thomas Zelger Thomas Zelger, 28, ist Fotograf und dokumentiert leidenschaftlich gerne Outdoor-Aktivitäten. Draußen fühlt er sich wohl und nutzt die Entschleunigung als Ausgleich zum Stadtleben in Hannover. Die Kultur und die unberührte Natur Lapplands faszinieren ihn besonders.

Die Sonne brennt erbarmungslos. Wenn wir die Wildnis nicht mit eigenen Augen sehen würden, es fiele uns schwer zu glauben, dass wir uns oberhalb des Polarkreises bewegen – genauer gesagt auf dem Nördlichen Kungsleden in Schwedisch-Lappland. 450 Kilometer zieht sich der Weg vom 110-Seelen-Dorf Abisko im Norden bis zum Weiler Hemavan im Süden. Schon auf dem Bahnsteig in Abisko fiel uns die gute Luft auf. Sauber ist auch das Wasser der Flüsse, die schmelzenden Gletschern entspringen und sich den Weg ins Meer bahnen. Nichts hindert sie daran, niemand hat sie entmachtet. Wie ein Netz aus Blutgefäßen überzieht das Wasser das Land und haucht den Wäldern und dem Fjäll, aber auch unzähligen Tierarten Leben ein, darunter Elch, Luchs und Vielfraß. Der Mensch hat hier oben wenig Einfluss auf die Natur genommen und nur das Nötigste hinzugefügt: ein paar Hütten für Wanderer, einige kleine Holzbrücken über reißende Flüsse und ein paar Bohlenwege, wenn der Weg allzu sumpfig wird.

 

Kungsleden: Leserreportage aus Schweden
Foto: Thomas Zelger Einfach reinhalten: Schwedisch-Lappland liefert fließend Trinkwasser.

Kungsleden: 120 Kilometer bis Vakkotavare

Mein Trekking-Gefährte Andy Happel und ich haben uns die ersten 120 Kilometer des Kungsledens vorgenommen, bis nach Vakkotavare. Es geht bergauf, doch erst, als wir abends am ersten Tag die Baumgrenze bei etwa 700 Meter Höhe erreichen, begreifen wir das gewaltige Ausmaß des Gebietes und seine raue, karge Schönheit. Weites Fjäll und rundgeschliffene Bergzüge prägen von nun an das Bild.

 

Kungsleden: Leserreportage aus Schweden
Foto: Thomas Zelger Wandern ohne Ende: Die Mitternachtssonne eliminiert jedes Zeitgefühl.

Kein Zeitgefühl auf dem Kungsleden

Die Sonne begleitet uns treu. Jetzt im Juli geht sie überhaupt nicht mehr unter, ein Umstand, der unser ohnehin miserables Zeitgefühl endgültig eliminiert. Einmal scheint sich auch unser Orientierungssinn verabschiedet zu haben. Obwohl der Kungsleden gut markiert ist, haben wir wohl irgendwo den falschen von zwei Trampelpfaden erwischt und stehen plötzlich mitten im Sumpf. Blutgierige Moskitos umschwirren uns. »Los, weiter«, knurrt Andy.

 

Kungsleden: Leserreportage aus Schweden
Foto: Thomas Zelger

Wetterkapriolen in Nordschweden

Die Tage vergehen in einem angenehmen Gleichmaß, wir haben unseren Rhythmus gefunden. Dafür kommt das Wetter aus dem Takt: Am vierten Tag, am höchsten Punkt des Weges, dem 1150 Meter hohen Tjäktja-Pass, fängt es sogar kurz an zu schneien. Zwei Tage später kommt es richtig dick: Schon morgens prasselt es auf unser Zelt nieder. Kurz nach dem Aufbruch verlieren wir den Pfad und irren stundenlang in der Wildnis umher. Bei einer Flussquerung rutschen wir auf glitschigen Felsen aus und fallen ins Wasser. Den ganzen Tag über trommelt der Regen nieder und durchnässt uns komplett. Bei Temperaturen wenig über dem Gefrierpunkt bauen wir schließlich völlig durchgefroren und mit zittrigem Körper unser Zelt auf und schlüpfen in die Schlafsäcke. Morgens fühlt sich die Kleidung immer noch feucht an.

 

Kungsleden: Leserreportage aus Schweden
Foto: Thomas Zelger

Doch am Ziel in Vakkotavare können wir unsere Sachen in den Trockenraum einer Hütte hängen. Und auf der langen Zugfahrt nach Hause beschäftigen uns ausschließlich positive Gedanken. Wir kehren ausgeglichen zurück und um viele Erfahrungen reicher. Keine einzige davon möchten wir missen, einige erneut erleben.

Schicken Sie uns auch Ihre Leserreportage

outdoor veröffentlicht jeden Monat eine Leserreportage. Schicken Sie uns Ihre Texte (3000 Zeichen) und Bilder (300 dpi), wir prüfen sie und wählen die besten aus. Keine Sorge: Sie müssen nicht mit einer Anakonda gerungen haben – eine gute Reportage kann auch vom Wandern im Mittelgebirge handeln. Das Honorar beträgt 150 Euro.

Bitte mailen Sie Ihre Story mit dem Betreff "Leserreportage" an: info@outdoor-magazin.com

Oder bewerben Sie sich mit Ihrem Abenteuer doch gleich für den Abenteurer des Jahres-Award der outdoor-Redaktion - weitere Infos hier:
www.outdoor-magazin.com/abenteurer2016

Ausrüstungstipps:

01.12.2016
Autor: Thomas Zelger
© outdoor
Ausgabe 12/2016