Trekking in Kroatien - Velebit-Gebirge - Premužic-Mountain-Trail

Kroatien: 3 Tage auf dem Premužic Mountain Trail

Wandern in Kroatien
Foto: A. Schweighardt / P. Rolnik
Auf dem dreitägigen Premužic Mountain Trail durchs Velebit-Gebirge erlebten Andreas Schweighardt und Patricia Rolnik ein unbekanntes Stück Kroatien.

 

Wandern in Kroatien
Foto: A. Schweighardt / P. Rolnik Andreas Schweighardt, 30, und Patricia Rolnik, 32, entdeckten ihre Outdoorleidenschaft schon vor vielen Jahren. So zieht es die beiden regelmäßig in außergewöhnliche Winkel.

Erste Sonnenstrahlen streifen über die Wipfel und lassen die Karstfelsen aufleuchten. Ganz im Westen taucht das Blau der Adria aus dem Dunst, immer deutlicher zeichnen sich die kroatischen Inseln darin ab. Meine Freundin Patricia und ich befinden uns im Velebit-Nationalpark, genauer gesagt auf dem Parkplatz der Berghütte Zavižan (1594 m) etwa 80 Kilometer östlich der istrischen Halbinsel. Hier startet der Premužic-Trail, ein Anfang der 1930er Jahre von dem Forstingenieur Ante Premužic ausgebauter, 57 Kilometer langer Höhenwanderweg. Er zieht sich parallel zur Küste durch die ansonsten unzugänglichen Karstgebiete des nördlichen Velebit-Gebirges und wird üblicherweise in drei Etappen begangen.

Wir wollen es in zwei Tagen schaffen, und so lassen wir die üblichen Hütten aus, kochen selbst und schlafen in einer Art Notbiwak. »Wenn das so bleibt, schaffen wir es easy«, sagt Patricia angesichts des etwa ein Meter breiten Schotterwegs, der uns mal durch dichten Wald, mal an schroffen, 20 bis 30 Meter hohen Felsen entlangführt.

Auf Trekkingtour im kroatischen Velebit-Gebirge

Aus den Spalten des Gesteins sprießt es überall grün heraus. Nach etwa 15 Kilometern erreichen wir die urige Hütte Alan. Wir stoppen hier nur, um unsere Wasservorräte aufzufüllen, auch wenn die beiden Trinkblasen noch fast voll sind: Regen versickert im Karstgestein des Velebit-Gebirges im Nu, Quellen sind Mangelware. Die felsendurchsetzte und waldbestandene Hügelkette geht hinter der Alan-Hütte in eine heideartige Hochfläche über. Immer weiter öffnet sich jetzt der Blick auf das Meer, immer tiefer steht die Sonne am Horizont. »Jetzt müssen wir Gas geben, sonst sind wir bald Tierfutter«, sagt Patricia – nur halb im Scherz: In der Tat leben hier Braunbären und Wölfe in freier Wildbahn.

Und besonders Erstere gehen nachts gerne auf Nahrungssuche. »Verschließt die Türen gut!«, riet man uns im Vorfeld. Und das tun wir, als wir in der Dämmerung an die Ogradenica-Hütte gelangen. Die Unterkunft entpuppt sich als sechs Quadratmeter großer Wellblechbau mit zwei Stockbettgestängen, als Matratzen dienen Spanplatten. Isolation? Fehlanzeige. Nachts fallen die Temperaturen hier auf 1400 Metern Höhe auch im Sommer leicht unter 6 Grad. Doch rund um die Hütte liegt genug Holz, und so wird es dank des kleinen Ofens sogar gemütlich.

 

Wandern in Kroatien
Foto: A. Schweighardt / P. Rolnik Bunt, aber eher unkomfortabel: Die Ogradenica-Hütte.

48-Stunden-Abstecher in die Einsamkeit Kroatiens

Morgens brechen wir früh auf. Wir wandern durch lichte Wälder, die im schrägen Licht wie verzaubert wirken, bunte Wildblumen sprenkeln den grasigen Boden. In der Ferne funkelt das Meer. Wir erreichen die Hütte Skorpovac (958 m). Die unbewirtschaftete Hütte teilen sich Wanderer im Sommer mit einem Hirten, der hier oben zwei Dutzend Kühe hütet. Nach einem kurzen Gespräch machen wir uns an die letzten 16,5 Kilometer nach Baške Oštarije – und gelangen so wieder an die Adria.

 

Wandern in Kroatien
Foto: A. Schweighardt / P. Rolnik Der Wanderweg führt anfangs bequem durch Wald, wird dann aber anspruchsvoller.

Unser 48-Stunden-Abstecher in die Einsamkeit Kroatiens endet am einzigen »Biergarten« des kleinen Ortes, wo wir uns ein Bier und ein Radler gönnen, während wir auf den Bus warten.

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