Über 14.000 Leser und User haben beim gemeinsamen Gewinnspiel von outdoor, Jack Wolfskin und ASI Reisen teilgenommen. Vier zogen das große Los: einen Outdoor-Trip nach Bolivien. Zehn Tage lang erkundeten sie das raue, menschenleere und schöne Land in den Anden ...

Willkommen in Bolivien! Vivel Romera, eine sportliche Frau Ende zwanzig, empfängt das Leserteam morgens um vier auf viertausend Meter Höhe am Flughafen El Alto. Das Lächeln der ASI Bergführerin steckt an, die beiden Paare aus Deutschland fühlen sich sofort wohl mit ihr: Cornelia und Andreas Mahler aus Munster in Niedersachsen und Valentina Babic mit Danijel Bikic, beide aus dem Schwäbischen. Danijel ist mit seinen 30 Jahren der Jüngste im Team, Andreas mit 66 der Älteste. Es liegt ein langer Trip vor ihnen, in die Berge, in den Dschungel und in die größte Salzwüste der Erde.

 

Abenteuerreise Bolivien
Foto: Gürel Sahin

Bolivien ist riesig - Deutschland passt dreimal hinein

Die Route, von outdoor, Jack Wolfskin und ASI Reisen exklusiv für das Leserteam zusammengestellt, führt durch den Westen. Dort breitet sich der Altiplano aus, eine unendliche, oft wüstenhaft karge Hochebene, flankiert von zwei schneebedeckten Sechstausenderketten, der zentralen und der östlichen Kordillere der Anden. Die gewaltige Landschaftsorgte schon als Kulisse des letztjährigen Jack-Wolfskin-Katalogshootings für Furore, und das Leserteam erlebt sie nun live. Es wird eine Weile brauchen, bis sich die vier Gewinner an das Gefühl der Weite auf dem Altiplano gewöhnt haben werden. Und an die Höhe: Selbst an den niedrigsten Stellen bewegt man sich dort auf rund 3000 Meter – etwa Zugspitzniveau

 

Abenteuerreise Bolivien
Foto: Gürel Sahin

Akklimatisation ist die Devise

Nach einer Übernachtung in La Paz, dem Regierungssitz von Bolivien, reist das Team mit dem Kleinbus Richtung Westen zum Titicacasee. Der Himmel schimmert freundlich und klar wie immer im Juli, dem bolivianischen Hochwinter. Tagsüber reicht oft ein TShirt, aber die Nächte können bitterkalt werden - Zeit für Fleece- und Daunenjacken.

Plötzlich rücken weiß bepuderte Sechstausender in den Blick, und als sich der gewaltige, extrem blaue Spiegel des Sees darunterlegt, gibt es im Bus die ersten »Wows«. Der Titicacasee, auf 3600 Meter Höhe gelegen, nimmt ziemlich genau die Fläche Korsikas ein. Seine bekannteste Insel heißt Isla del Sol, knapp fünfzehn Kilometer lang. »Der Sonnengott Inti soll den ersten Inkaherrscher und seine Frau aus dem Titicacasee erschaffen und auf einem Felsen auf der Sonneninsel abgesetzt haben«, erzählt Guide Vivel. Das Team setzt kurz vor Sonnenuntergang mit dem Boot auf die Insel über und wandert hinauf zu seiner Unterkunft, der Ecolodge – kleine Bungalows, aus Naturstein und Holz gefügt. Oben am Hang gelegen, bietet jeder von ihnen Seeblick, ein guter Ort, um die ruhige, gelassene Atmosphäre der Sonneninsel in sich aufzunehmen.

 

Abenteuerreise Bolivien
Lamas gehören zu den Kamelen. In den Herden haben die Stuten das Sagen.
Foto: Gürel Sahin

Die Nacht auf viertausend Metern und der folgende Tag dienen noch der Höhenanpassung. Vivel begleitet ihre Gäste auf die benachbarte Isla de la Luna und wandert mit ihnen durch die Dörfer der Sonneninsel. Kinder treiben Schafe, Alpakas und Esel durch die Straßen. Der Tag vergeht entspannt und morgens fühlt sich das Team fit für die Berge. Vier Stunden nördlich vom Titicacasee wartet der Cabeza de Condor, 5648 Meter hoch. Gemeinsam mit seinen beiden Nebengipfeln bildet er die Condoriri-Gruppe. Die drei Berge sehen zusammen so aus wie ein stehender Condor, der seine Schwingen ausbreitet, ein Ehrfurcht gebietender Anblick. Wer auf den Gipfel des Cabeza will, muss sich in Fels und Eis wohlfühlen - ein Unternehmen für Alpinisten. Doch bis hinauf ins Basislager an der Laguna Chiar Khota auf 4700 Metern will das Team es schaffen.

Der Aufstieg beginnt an der tiefblauen Laguna Tuni. Die Route leitet am Westufer entlang, dann führen Wegspuren in das weite Tal Wata Pampa. Schon von hier sieht man die Condoriri-Gipfel aufragen. Über Steine und das gelbe Gras der Lamaweiden steigen Conny und Andreas, Valentina und Danijel bergan, begleitet vom Geplätscher der Bäche. Schritt für Schritt arbeiten sie sich hinauf in die karge Bergwildnis, ein wenig langsamer als vom Wandern zu Hause gewohnt. Die Höhe macht sich bemerkbar.

 

Abenteuerreise Bolivien
Foto: Gürel Sahin

»Ich pfeife aus dem letzten Loch«, gesteht Danijel oben an der Laguna Chiar Khota, »aber diese Aussicht ist es wert.« Wie wahr: Die Fünftausender, überragt vom mächtigen Condoriri, kesseln den tiefgrünen See geradezu ein, das Weiß der Gipfel wird doppelt schön durch die Spiegelung in der Wasseroberfläche. »Und morgen bewegen wir uns ja eher bergab«, erinnert Vivel.

Eine ziemliche Untertreibung. Mit einem kräftigen Toyota-Jeep geht es zwar erst hinauf zum Cristo de la Cumbre, dem 4700-Meter-Pass zwanzig Kilometer nordöstlich von La Paz. Doch ab dort herrscht nur noch eine Richtung vor: abwärts. 2700 Höhenmeter. In den Dschungel, auf dem Mountainbike, auf der legendären Todesstraße, dem Camino de la Muerte. Und der heißt nicht zufällig so: Bis ins Jahr 2007 verunglückten hier zweihundert bis dreihundert Menschen pro Jahr, dann wurde eine neue Strecke für die Lkw und Transporter eingerichtet. Doch es gibt sie noch, die alte Straße, grobschottrig und ausgewaschen.

 

Abenteuerreise Bolivien
Foto: Gürel Sahin

Unterwegs auf dem Camino

Haarnadelkurve folgt auf Haarnadelkurve auf dem Camino, ohne Leitplanken dicht am bis zu 700 Meter tiefen Abgrund. Die ersten 24 Kilometer rollen die Bikes noch auf Asphalt, bis ins 80-Einwohner-Dorf Unduavi. Dort, auf 3500 Metern, gehen die Anden abrupt in die Yungas über, den Urwald, und jetzt schwenken die Bikes auch in die alte Yungasstraße ein. Das Gerüttel zehrt an Kraft und Nerven, aber das satte Grün und die Nebelschwaden geben dem Ritt einen Dreh ins Mystische. »Nirgends habe ich einen Downhill mit solch einer Kulisse erlebt«, sagt Valentina.

Und Bolivien bietet noch ganz andere Kulissen. Einen 500-Kilometer-Flug weiter liegt plötzlich Wildwestatmosphäre in der Luft. Das Team schaut sich in der Wüstenstadt Uyuni um. Kaum eine Straße ist hier asphaltiert. Mit seinen 18 000 Einwohnern stellt Uyuni die letzte große Ansiedlung vor dem Salar de Uyuni dar, der größten Salzwüste der Welt. Vivel nimmt einen Umweg in den Salar: Über Pisten dringt das Team in der Siedlung Ojo de Perdiz fast an der Grenze zu Chile in die Siloli-Wüste vor. Der Blick schweift auf der Fahrt gegen unendlich, die gewohnten Vorstellungen von Raum und Zeit brechen in sich zusammen. Auf dem Rückweg stoppen die beiden Jeeps an der zehn Kilometer langen Laguna Colorada. Kaum zu glauben, dass es in dieser Einöde einen See gibt.

Und was für einen: Algen färben ihn rot, und in seinem flachen Wasser suchen Hunderte, manchmal Tausende von Chile-, Anden- und Gelbfußflamingos nach Nahrung – vor dem Hintergrund der Wüstenberge ein Bild von schwer fassbarer Schönheit.

 

Abenteuerreise Bolivien
Foto: Gürel Sahin

Und dann der Salar de Uyuni

Fotos von ihm hat man schon gesehen: Unzählige schneeweiße, fünfeckige Salzwaben bilden in der Wüste zusammen eine Fläche von hundertvierzig Kilometern Länge und hundertzehn Kilometern Breite. Aber keine Zahl, kein Foto vermittelt das unwirkliche Gefühl, auf dieser gleißend hellen Fläche zu stehen. Conny und Andreas, Valentina und Danijel haben Zeit, sich mit der Aussicht vertraut zu machen: Sie übernachten am Rand des Salars in einem Hotel, wie sie es vorher nicht kannten – Wände, Tische, Stühle, fast alles besteht in der Komfortunterkunft aus Salz. Die Sicht über die gewaltige Salzwüste ist unschlagbar. Vivel lässt den Blick schweifen. »So oft ich schon hier war, es ist immer wieder unglaublich«, sagt sie. Niemand widerspricht.