Zelt-Special 2016: Interview mit Fjällräven-Tester Johann Skullmann

Johann Skullmann: Tipps vom Zelt-Profi

Zelt-Guide: Johann Skullmann
Foto: Fjällräven, Håkan Wike
Johan Skullman ist Fjällräven-Produkttester und bringt Ausrüstung im harten Outdoor-Einsatz an ihre Grenzen. Sein Hausgebiet: Das Fjell. Im Interview mit outdoor spricht er über seinen Traumjob und gibt nützliche Tipps ...

outdoor: Equipment-Tester – das klingt nach einem Traumjob. Wie kam es dazu?
J. Skullman: Ich habe in meinem Leben viel ausprobiert und einen entsprechend ungewöhnlichen Lebenslauf. Schon als Jugendlicher war ich oft in der Natur, vor allem Orientierungsläufe und Skilanglauf haben mich fasziniert. Dann ging‘s zum Militär: 30 Jahre lang bin ich mit den schwedischen Streitkräften durch die Welt gereist, sowohl für Trainingszwecke und Produkttests als auch für Einsätze in den Krisengebieten der frühen 1990er Jahre. Neben der militärischen Fachausbildung durfte ich nicht-militärische Universitäten und Kompetenzzentren besuchen. Dort lernte ich viel über funktionelles Design, Textiltechnik und angewandte Physiologie. Letztere erklärt, wie der menschliche Organismus funktioniert.

outdoor: Und wie genau testest du draußen?
J. Skullman: Eine typische Test-Tour gibt es nicht. Jedem Produkt fühle ich individuell auf den Zahn, auch den Zelten. Da sie für den weltweiten Einsatz und unterschiedlichste Klimabedingungen entwickelt wurden, teste ich sie dort, wo diese Klimaextreme herrschen. Das kann dann auch mal im Dschungel oder in der Wüste sein. Wo auch immer wir die idealen Testbedingungen für Fjällräven-Produkte finden – wir reisen hin!

outdoor: Hast du ein Lieblingstestgebiet?
J. Skullman: Skandinavien, und dort natürlich vor allem Schweden. Zum einen haben wir hier exzellente Testbedingungen mit allen vier Jahreszeiten, viel Sturm und Regen. Zum anderen gibt es in Schweden sehr unterschiedliche Landschaften.

Traumziele - Kaufberatung - Aufbautipps - Hier geht's zum großen Fjällräven-Zelt-Special.

outdoor: Was begeistert dich am Draußensein – und vor allem am Zelten?
J. Skullman: Draußen zu sein finde ich deshalb so unglaublich spannend, weil man von der Natur so unglaublich viel lernen kann. Ich stoße immer wieder auf Herausforderungen, die mich dazu inspirieren, nach neuen Lösungen und Details für Ausrüstung und Bekleidung zu suchen, durch die Outdoor-Touren noch komfortabler und sicherer werden.

outdoor: Musstest du Zelte schon im Sturm aufbauen? Geht das eigentlich allein?
J. Skullman: Ja, das musste ich schon oft. Und natürlich ist es auch möglich, Zelte während eines Sturmes ganz alleine aufzubauen – auch wenn das sicherlich einige Tücken birgt. Aus diesem Grund kann ich nur empfehlen, erst Erfahrung im Zeltaufbauen zu sammeln, bevor man sich in exponierte, kritische Lagen begibt. Am besten man wählt für den Anfang Zeltplätze in der Nähe einer Hütte.

 

Zelt-Guide: Johann Skullmann
Foto: Fjällräven, Håkan Wike

outdoor: Bist du schon einmal in brenzlige Situationen geraten?
J. Skullman: Schon oft. Die meisten habe ich natürlich während meiner Zeit beim Militär erlebt. Aber auch beim Testen gab es so manche Überraschung. Da ich für solche Situationen ausgebildet wurde und sie oft geprobt habe, konnte ich mich immer wieder aus der Patsche ziehen. Das Wichtigste dabei ist, strukturiert vorzugehen und nicht in Panik zu geraten.

outdoor: Worauf achtest du bei der Wahl deines Camps ganz besonders?
J. Skullman: In erster Linie auf Gefahrenstellen, aber auch auf andere Faktoren, die eine unruhige Nacht mit sich bringen können, wie beispielsweise das Moskitovorkommen, die hohe Luftfeuchtigkeit an Seen und Flüssen oder Schneeverwehungen, die schnell auch mal ein ganzes Zelt unter sich begraben können.

outdoor: Was macht ein gutes Zelt aus?
J. Skullman: Ein gutes Zelt zeichnet sich durch viele durchdachte Details aus: von robusten Materialien bei Zeltstoff und Zeltgestänge über effektive Belüftungslösungen für ein angenehmes Schlafklima bis hin zu Kleinigkeiten, die den Zeltalltag erleichtern, wie zum Beispiel sinnvoll platzierte Staufächer im Innenzelt. Beim Kauf sollte man bedenken, dass Qualität ihren Preis hat. Gerade bei Zelten, die einem in der Natur als einzig sicherer Unterschlupf dienen und das Leben retten können, sollte man nicht sparen.

outdoor: Welches sind deine Lieblingszelte im neuen Fjällräven-Programm?
J. Skullman: Die beiden Zelte "View 2" und "Polar Endurance 3". Das Fjällräven View 2 schätze ich besonders auf Kajaktouren, weil es einen so großartigen Ausblick bietet, so geräumig ist und sich leicht aufbauen lässt. Das Fjällräven Polar Endurance 3, da es auch auf langen Wintertouren und in extremen Verhältnissen zuverlässig schützt.

outdoor: Inwieweit achtet Fjällräven bei der Zeltfertigung auf Nachhaltigkeit?
J. Skullman: Nachhaltigkeit ist ein sehr wichtiges Thema für Fjällräven! Wir sind stets bemüht, keine Spuren in der Natur zu hinterlassen. Genauso wie man als echter Outdoor-Freund seinen Lagerplatz so verlässt, wie man ihn vorfinden möchte, sind wir als Unternehmen bemüht, die negativen Umweltauswirkungen unseres Handelns so gering wie möglich zu halten. Das ist uns allen wichtig. Without nature we are nothing!

outdoor: Gibt es etwas, das du stets dabei hast?
J. Skullman: Mein Messer und mein Feuerstahl. Auch ein gut bestücktes Erste-Hilfe Set, Kompass und Karte dürfen bei mir nie fehlen. Allerdings sind alle diese Sachen nur dann nützlich, wenn man auch weiß, wie man sie richtig einsetzt...

outdoor: Welche Tipps würdest du Zelteinsteigern mit auf den Weg geben?
J. Skullman: Man sollte sich schon lange vor der Tour zu Hause mit dem Equipment vertraut machen. Etwa, indem man das Zelt zum Kennenlernen einige Male im Garten oder einem nahe gelegenen Park aufund abbaut. Dabei hilft es, sich eine feste Routine anzueignen. Dann hat man auch in Extremsituationen die nötige Übung und kann entsprechend locker bleiben ...

Video: Welches Zelt kaufen? - Die Zeltformen im Überblick

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Foto: Boris Gnielka
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03.08.2016
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Ausgabe 07/2016