Paddeln

Wundervolle Wasserwege


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Ein ruhiger Abschnitt des wilden Ivalojoki.
Foto: Lars Schneider

Ivalojoki/Finnland
Kanada-Feeling im hohen Norden Europas
100 Kilometer paddeln und dabei nur einmal die Zivilisation berühren – in Form einer Brücke und einem Dutzend Häuser –, das ist für Europa, ja selbst für Skandinavien – ungewöhnlich. Solche Flüsse erwartet und findet man in Kanada oder Alaska. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Den
Ivalojoki, im hohen Norden finnisch Lapplands gelegen, weit oberhalb des Polarkreises. Dort durchströmt er auf über 100 Kilometern einsame Tundra, entspringt nahe der Grenze zu Norwegen und mündet in den riesigen Inarisee.
Wer große Lust auf eine gehörige Portion Abenteuer verspürt und die weite Anreise in Kauf nimmt – allein von Hamburg braucht man auf dem See-/ Landweg noch mindestens zwei Tage zum Einsatzort – der wird reich belohnt: mit der womöglich schönsten Kanutour seines Lebens.

Allerdings braucht man schon etwas Wildnis- und Wildwasser-Erfahrung, um das Ziel, den Ort Ivalo, mit heiler Haut und heilem Boot zu erreichen. Stromschnellen (bis WW III) würzen vor allem den Oberlauf, dazu birgt die Tatsache, dass der Ivalojoki chronisch wenig Wasser führt, einige Gefahren fürs Material. Mit Faltbooten ist man zwar klassisch schön unterwegs und die Anreise kann theoretisch auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln geschehen, doch Kunststoffboote bieten Steinen eher die Stirn. Wie auch immer man unterwegs ist – der Ivalojoki ist ein wahrhaftiger Traumfluss. Infos: KANUmagazin 6/01, 5,01 €.

Abel Tasman NP
Seekayaktouren, wo das Paddeln fast wie fliegen ist
An der Nordspitze von Neuseelands Südinsel findet sich ein Paddelgebiet wie aus der Fernsehwerbung.

Wer bei »Bacardi-Feeling« auch wehmütig an wogende Palmen, jungfräuliche Sandstrände und unbeschwerte Yuppies auf weißen Segelyachten denkt, kann im Abel Tasman National Park erleben, wie diese Technicolor-Postkarte pure Realität wird – nur ohne Yuppies und Yachten. Wahlweise per pedes oder per Paddel kann man diese Idylle erleben. Wir empfehlen das Paddel. Denn während der Wanderer entlang der hügeligen Küstenlinie im Unterholz schwitzt, weht einem im Seekajak eine erfrischende Brise um die Nase, während der Schatten der Kajaks über den sandigen Grund der vielen kleinen Buchten schwebt und die Kajaks selbst zu fliegen scheinen. Zweiter Vorteil des Paddelns: Man kann mehr auf die drei- bis sechstägige Tour mitnehmen, auch eine extra Flasche Rotwein. Infos und Kajakmiete unter www.abeltasmankayaks.co.nz.

An Kanadas vergessener Küste genießt man Sonnenuntergänge wie diesen – ganz allein.
Foto: Hackner & Popp

Central Coast B.C.
Faltboot-Touren an der vergessenen Küste Kanadas
Auf halber Höhe von Vancouver Island, zwischen Insel und der Festlandküste, etwa 200 Kilometer Luftlinie nördlich von Vancouver, beginnt eine der unberührtesten Küstengebiete Nordamerikas. »Kanadas vergessene Küste«, wie sie von den Einheimischen genannt wird. Nach Osten hin abgeschottet durch ein Gebirge, vom Westen umstürmt vom rauen Pazifik. Fjorde, die tief in das Landesinnere reichen, und jede Menge vorgelagerte Inseln sorgen für einen fließenden Übergang vom offenen Ozean zum Festland. Für Küstenpaddler bedeutet dies endlose geschützte Meeresstraßen, Kanäle, Lagunen und Buchten. Meilenlange Sandstrände, einsame Buchten und spektakuläre Steilküsten.

Die Fauna des Meeres und der Küste ist atemberaubend: hier Orca, Seeotter und Grauwal, dort Grizzly, Seeadler und Wolf. Doch das Naturparadies, das man am besten von der Indianersiedlung Bella Bella aus erkundet (täglich über Linienflüge von Vancouver aus zu erreichen), ist in Gefahr: Wie so oft in Kanada wüten Logging Companies im Regenwald und machen selbst vor dem Hauptverbreitungsgebiet der so genannten Geisterbären, weißer Schwarzbären, auf Princess Royal Island nicht Halt. Doch noch können Seekajaker auf Gezeitenströmungen durch diese schier endlose Wildnis treiben. Ganz leicht wochenlang, ohne sich zu langweilen.
Infos: Kanadas vergessene Küste, Ian und Karen McAllister; Alouette Verlag, 25,46 €.

Der Stora Le, des Dalsland-Kanals westlichster See.
Foto: Lars Schneider

Dalsland-Kanal
Ein Kanal, der zum Glück doch keiner ist
Nur zwei Autostunden nordwestlich von Göteborg liegt eingebettet zwischen dem riesigen Vänern See im Osten und der norwegischen Grenze im Westen das Seengebiet des Dalsland-Kanals – eines der schönsten Wasserwanderreviere Europas.
Das Wort »Kanal« ist dabei jedoch irreführend, denn nur zehn Kilometer der insgesamt 250 Kilometer langen Strecke sind künstlich angelegt. Sie verbinden die glasklaren Seen, deren Wasser meist bedenkenlos trinkbar ist. Höhenunterschiede zwischen den einzelnen lang gezogenen Seen werden durch Schleusen überwunden.
Einem Wasser-Labyrinth gleich verzweigt sich das Seensystem in den von tiefen Wäldern und unberührter Natur geprägten Provinzen Dalsland und Värmland.

Das bedeutet: viele Möglichkeiten für ausgedehnte Kanutouren. Ob in zwei Wochen auf der klassischen Route von Köpmannebro am Vänern See nach Östervallskog nahe der norwegischen Grenze oder in einer Woche von Bengtsfors aus über den Laxjön, den Svärdlangen und Västra Silen zurück nach Bengtsfors. Man kann auch eine große Runde von Köpmannebro bis nach Ed abfahren. Die Orte liegen zwar nur rund 50 Kilometer auseinander, auf dem Wasser aber legt man gut 120 Kilometer zurück. Und wem all das noch nicht reicht, der kann hinter der norwegischen Grenze, die den Stora-Le-See im Westen durchschneidet, weiterfahren und noch mehr unberührte Seen, Inseln und Wälder erkunden.

Das besondere am Dalsland-Kanal: Ganz ohne eigenes Auto gelangen Sie leicht an den Startpunkt Ihrer Tour. Von Deutschland aus nimmt man die Fähre von Kiel nach Göteborg, dort steigt man in einen Bus, wechselt eine Stunde später in den nächsten und steht plötzlich in Bengtsfors, praktisch im Zentrum des Seensystems. Dort kann man sich Kanadier mieten und schon eine Stunde später auf Tour gehen.

Welche Route man wählt, ist fast egal, schön ist es überall. Inseln laden zum Pausieren ein, die Wälder mit unendlichen Blaubeerfeldern zum Pflücken des Nachtischs. Und wenn man einen Tag nichts tun will, dann bieten sich kleine Sandstrände hervorragend zum Faulenzen an. Infos: Schweden: Dalsland-Kanal, Lars Schneider, Conrad Stein Verlag, 12,68 €.

Revier Nordost Nr. 1
Mit dem Faltboot auf der Mecklenburgischen Seenplatte
Paddeln ohne Ende kann man auf den Gewässern der Mecklenburgischen Seenplatte. Zwischen Oder, Havel und Müritz finden sowohl der ambitionierte Paddler als auch Anfänger und Familien auf hunderten von teils glasklaren Seen, Kanälen und idyllischen Fließen paradiesische Wassersportbedingungen. Dieses Labyrinth meist strömungsloser Gewässer ist in eine hügelige Endmoränenlandschaft eingebettet und umgeben von schönen pilz- und beerenreichen Wäldern, die noch dazu tolle Radwandermöglichkeiten bieten.
Einige Touren, wie zum Beispiel die Befahrung der Feldberger Seen oder des oberen Teils der Havel durchs Herz des Müritz-Nationalparks, sollte man am besten für das zeitige Frühjahr oder den Herbst planen. Dann sind die Chancen besonders groß, an den Gewässern auf Biber und Fischotter zu treffen oder den rasanten Sturzflug des Fischadlers zu beobachten.

Egal ob für ein Wochenende oder einen ganzen Urlaub, der Möglichkeiten gibt es viele. Eine reizvolle Rundtour, die man zudem in beliebige Richtung paddeln, verlängern oder abkürzen kann, ist jene vom Plätlinsee über die romantische Schwanenhavel, eine verzweigte Seenkette, zurück nach Wustrow. Die Strecke von Rheinsberg nach Neustrelitz über den glasklaren Tornowsee, wo es sich lohnt, einen Badetag einzulegen, erfordert schon etwas Bootsbeherrschung. Der naturbelassene und windungsreiche Rheinsberger Rhin lässt die Tour bei hohem Wasserstand zu einem flotten Vergnügen werden.

Die Infrastruktur für Paddler ist hervorragend: Auf allen Strecken helfen entweder Schleusen, die geringen Höhenunterschiede zu überwinden, oder bereitgestellte Loren lassen das Umtragen zur Abwechslung werden. Mit dem »Müritz-Nationalpark-Ticket« nutzt man günstig Bus, Bahn und Schiff und hat überdies noch verbilligte Leihmöglichkeiten für Kanus und Fahrräder.
Infos: Kanu Kompass Deutschland Ost, Thomas Kettler, Carola Hillmann, Kettler Verlag, 21 €.

© Outdoor : Ausgabe 02/2002

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